Werbinich : Böger darf 600 neue Lehrer einstellen

Bildungssenator einig mit Wowereit: Durch Pensionierung frei werdende Posten werden früher besetzt

Claudia Keller

An den Grundschulen soll es Verstärkung geben. Bildungssenator Klaus Böger (SPD) kann zum neuen Schuljahr rund 600 neue Lehrer einstellen und damit 437 Stellen besetzen. Das sind 100 Vollzeitstellen mehr als die ursprünglich vereinbarten 337. Sie sollen vor allem die Kollegen in den ersten Klassen unterstützen, die durch die Schulreformen stark beansprucht sind.

Wie aus Senatskreisen zu erfahren war, konnte sich der Bildungssenator in einem Gespräch mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) durchsetzen. Auch Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) habe eingelenkt, da es sich bei den zu besetzenden Stellen um keine zusätzlichen Stellen handelt, sondern um solche, die Anfang 2007 sowieso frei werden. Hunderte Lehrer gehen dann in Pension.

Böger hatte in den vergangenen Wochen immer wieder vor einem „Chaos“ nach den Ferien gewarnt, wenn insbesondere an den Grundschulen nicht zusätzlich Lehrer eingestellt werden. Die ersten Klassen sind besonders groß, da nach dem neuen Schulgesetz Kinder schon mit fünfeinhalb Jahren eingeschult werden können. Außerdem werden Kinder, die noch nicht reif für die Schule sind, nicht mehr zurückgestellt, und es gibt keine Spezialklassen mehr zur Förderung lernbehinderter und emotional-sozial auffälliger Schüler. Die Zusammensetzung in den ersten Klassen ist deshalb besonders heterogen. Im vergangenen Schuljahr konnte nicht jedes Kind optimal gefördert werden, etliche brauchten psychologische Betreuung und landeten in Kliniken. Um das zu verhindern und jedes Kind angemessen unterstützen zu können, wären zwei Lehrer pro Klasse ideal, sagte Inge Hirschmann, die Vorsitzende des Berliner Grundschulverbandes. Die Schulreformen seien nur mit ausreichend Lehrern zu bewältigen.

In den noch verbleibenden Wochen werden viele Vorstellungsgespräche in der Bildungsverwaltung laufen, heißt es in der Behörde. Den genauen Bedarf an neuen Lehrern werde man aber erst zu Beginn des Schuljahres feststellen können, wenn man zum Beispiel weiß, wie viele krankgemeldete Lehrer dann wieder einsatzfähig sind.

Finanzsenator Sarrazin lehnt zusätzliche Lehrerstellen ab, da er der Meinung ist, die Schulstrukturen seien zu ineffizient. Pisa-Untersuchungen hätten ergeben, dass manchmal ein schlichter, leistungsorientierter Frontalunterricht am besten ist, sagte Sarrazins Sprecher Matthias Kolbeck. Er kritisiert, dass zu viele Lehrer in Projekte gesteckt würden, wie etwa Teilungsunterricht, der nicht effizient sei. Aber auch Sarrazin fühle sich dem Koalitionsvertrag verpflichtet, in dem die Verbesserung der Schulqualität festgeschrieben ist.

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