Werbinich : Böger prüft Pflicht zum Schulessen Eltern ist Verpflegung zu teuer und zu schlecht

Benjamin Hammer

In Berlins Grundschulen gibt es Probleme bei der Versorgung der Kinder mit Mittagessen. Das räumt nun auch Bildungssenator Klaus Böger (SPD) ein. Auf der Schulseite haben wir in der vergangenen Woche darüber berichtet, dass die Qualität des Essens in den Schulen sehr unterschiedlich ist. Auf einer Diskussionsveranstaltung im Abgeordnetenhaus bemängelten jetzt Eltern und Lehrer, dass viele Kinder nicht in der Schule zu Mittag essen, weil die Eltern die Kosten von monatlich 40 Euro nicht bezahlten.

„Vielleicht habe ich das bisher als Einzelproblem abgetan“, sagte Böger vor rund 150 Zuhörern. Die Senatsverwaltung prüfe, ob man Eltern von Schülern in den neuen verpflichtenden Ganztagsschulen gesetzlich zwingen könne, ihre Kinder dort essen zu lassen. Dann müssten sie auch dafür zahlen. Bisher gibt es keine entsprechende Pflicht zum schulischen Mittagessen. Es wäre erstrebenswert, wenn das Land für das Schulessen aufkäme, sagte Böger. „Aber das ist nicht zu finanzieren.“

Seit Anfang des neuen Schuljahres bieten fast alle Grundschulen Ganztagsunterricht oder zumindest Ganztagsbetreuung an. Für die meisten Schüler bedeutet das ein gemeinsames Mittagessen. Viele Eltern kritisieren aber die Qualität der Verpflegung. Ein Elternvertreter der Eichendorff-Grundschule in Charlottenburg bemängelte, dass das Essen stundenlang warm gehalten würde und dadurch an Qualität verliere. Zudem enthalte es zu viele Farb- und Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker. „Unter aller Kanone“ seien die meisten Essensanbieter, sagte eine Lehrerin. Aber einen, der gute Qualität liefere, habe man sich nicht leisten können, weil er rund 20 Cent mehr pro Mahlzeit als die anderen Firmen verlange. In manchen Schulen, so ein Vater, hätten die Kinder kaum Zeit zu essen. „Das ist Fast Food, obwohl es gar kein Fast Food ist.“

Eltern und Lehrer forderten von der Verwaltung eine Rangliste der besten Catering-Firmen. „Das dürfen wir nicht machen“, sagte dazu Sabine Schulz-Greve von der Vernetzungsstelle für Schulverpflegung. Sie sei zur Neutralität verpflichtet und dürfe die Anbieter nicht bewerten. Schulz-Greve verwies aber auf das Internet-Forum der Vernetzungsstelle. Dort könnten sich Eltern und Lehrer über ihre Erfahrungen austauschen.

Was tun, wenn sich die Catering-Firma nicht an die vertraglichen Vorgaben hält? Schulz-Greve sagte, Schulleiter und Schulamt könnten mit der Firma über Nachbesserungen reden. Halte sich die Firma nicht an die Qualitätsvorgaben, könne man den Vertrag kündigen.

Thomas Korbun vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung unterstrich, wie wichtig das gemeinsame Essen in den Schulen sei. „Viele Kinder kennen gar keine festen gemeinsamen Essenszeiten oder Gerichte mit Gemüse“, sagte Korbun, dessen Institut die Diskussionsrunde mit dem Tagesspiegel als Medienpartner veranstaltete. Viele Kinder seien Analphabeten, was die Ernährung angehe. Sie wüssten nicht einmal, aus welchen Komponenten Essen bestehe.

Weitere Informationen unter:

www.vernetzungsstelle-berlin.de

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