Werbinich : Bono?

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Bono Vox – ist das nicht der Sänger, der die Welt retten will?

Er und seine Band U2 haben auf jeden Fall gerade fünf Grammys gewonnen.

Weil sie die Welt gerettet haben?

Nein, noch nicht.

Weshalb also?

Es ist ein Rätsel. In England werden derzeit ganz andere Rockbands gefeiert. Das letztes U2- Album „How To Dismantle An Atomic Bomb“ wurde eher pflichtschuldig durchgewunken. Ist das Atomzeitalter nicht Geschichte? Sogar der britische „Guardian“ hielt die Platte für die „blasse Songansammlung einer Band, die verzweifelt darum kämpft, nicht auszurutschen“.

Also der Anfang vom Ende?

Genau. Aber die vier Schulfreunde halten zusammen seit 1977, als sie sich noch Hype nannten. In den Achtzigern galten sie als die größte Rockband überhaupt. Mit „The Joshua Tree“ haben sie auch ein fantastisches Album aufgenommen, eine der beste Rockplatten aller Zeiten. Die flirrenden Gitarren-Akkorde von The Edge haben ein völlig neues Verständnis für das Feuer in der Popmusik entwickelt. Was soll danach noch kommen? Sting hat Bono einmal geraten, von Sänger zu Sänger, er solle doch die Band hinter sich lassen. Er fand, „das ist doch nur eine Straßengang“.

Muss Bono deshalb immer eine Sonnenbrille tragen?

Er sagt, er sei „die Imelda Marcos der Sonnenbrillen“. Er hat Tausende von den Dingern. Dem „Rolling Stone“ hat er anvertraut, dass es nicht anders gehe. „Es ist mein Job, Blitze zu fangen. Wenn es keine gibt, muss ich Feuer legen.“ Das kann ins Auge gehen.

Ganz schön nervig.

Ja, das will er auch sein. In ihm schlägt der gerechte Zorn eines Dubliners, der spürt, dass es bessere Werkzeuge gibt, die Welt zu verändern, als elektrische Gitarren. Zum Beispiel Geld sammeln und es an die Bedürftigen verteilen. Oder, weil man ja berühmt ist und überall vorgelassen wird, mit Staatsoberhäuptern dinieren, Überzeugungsarbeit leisten und an die entlegensten Winkel der Erde reisen. Für diese Bemühungen hat er jüngst den Deutschen Medienpreis erhalten. Dafür musste er sich nach Baden-Baden begeben.

Oje. Das hat er nicht verdient, oder?

Ein bisschen Deutsch kann er ja. Eine seiner Platten hieß „Achtung Baby“. KM

Nicht zu verwechseln mit Bon Jovi, Udo Lindenberg und Bob Geldof.

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