Werbinich : Brand heiß

Max und Susi haben das Tropical Islands ausprobiert. Es floss Blut. Hier ist ihr Bericht

Max Anders

Es ist sieben Uhr. Das laute Summen des Weckers durchdringt mein Zimmer und holt mich unsanft aus dem Schlaf. Erst vor drei Stunden bin ich eingeschlafen. Ich schleife mich ins Badezimmer und spritze mir Wasser ins Gesicht. Danach versuche ich, Susi zu wecken. Nach 20 Minuten kann ich sie dann überreden, aufzustehen und mit mir zu frühstücken. Es ist sehr ruhig. Sie schweigt, ich schweige. Das ändert sich auch nicht, als wir im Auto sitzen und zum Ostbahnhof fahren. Natürlich sind wir viel zu früh. Also stehen wir am Bahnhof und warten sehnsüchtig auf den Zug nach Brand (Niederlausitz). Die Regionalbahnen RE 2 und RB 14 fahren von Berlin aus stündlich dorthin. Wir fragen uns, ob es das alles wert ist. Warum quälen wir uns, um so früh in dieses Brand zu kommen? Aber dann fällt es uns wieder ein: Wir werden heute einen Wintertag bei 25 Grad Celsius zwischen Palmen, Strand und Meer verbringen. Ja, das geht. Ich konnte es mir auch nicht wirklich vorstellen, doch nach einer kurzen Fahrt stehen wir vor dem überdimensionalen Gebäude, dass diesen Luxus möglich macht: Es ist die ehemalige Cargolifter-Halle in Brandenburg. Darin befindet sich jetzt eine riesige Tropenlandschaft. Wir verlassen das kalte, verregnete Deutschland und treten ein in diese Oase.

Sofort umgibt uns eine wohlige Wärme. Echte tropische Pflanzen, das Geräusch von singenden Vögeln, der Geruch von Chlor, freundliche Einheimische. Wir geben unsere Winterjacken an der Garderobe ab und suchen die Umkleidekabinen. Es dauert etwas, bis wir die Schränke aufbekommen. Die sind nämlich mit einem mysteriösem Elektroschloss ausgestattet, für dessen Bedienung man eigentlich ein Examen in Elektrotechnik braucht. Da wir noch nicht mal einen Schulabschluss haben, sehen wir uns erst eine halbe Stunde später in luftigen Klamotten im Regenwald wieder.

Mit großen Erwartungen betreten wir das dichte Grün. Und sind kurz darauf etwas enttäuscht, denn an vielen Stellen sieht man mehr nackten Hallenboden, komische Kabel und Sprinkleranlagen als Wald. Doch das vergessen wir beim Anblick der Südsee sofort. Ein langer, weißer Strand, blaues Wasser und hunderte von Liegen erstrecken sich vor uns. Hinter uns zwitschern die Vögel, ein Affe schreit. Wir denken mittlerweile nicht mehr daran, dass wir in einer großen Halle sind, für uns ist das die Karibik. Doch Moment, was hat da gerade geschrien? War das wirklich ein Affe? Neugierig machen wir uns auf die Suche. Doch als es direkt neben uns aus einem unscheinbaren Stein piept, ist klar, dass es im Tropical Islands kein einziges lebendes Tier gibt: die Geräusche kommen nur aus Lautsprechern, die gut getarnt auf dem Boden liegen. Teilweise sind es recht merkwürdige Geräusche, die sich anhören wie eine tropische Klospülung, aber so lange die Atmosphäre stimmt, kann uns das egal sein. Nur schade, ein paar echte Menschenaffen zu sehen, hätte uns schon gefallen.

Langsam kriegen wir Hunger. Zum Glück befindet sich direkt unter dem Regenwald ein Imbiss. Leckere asiatische Gerichte und natürlich Fast Food warten nur auf uns. Mit vollen Tabletts geht es zur Show-Bühne, wo Tänze und Akrobatik aus Asien aufgeführt werden. Satt und glücklich lassen wir den Vormittag ruhig ausklingen. Doch ich bin nicht wegen der Shows nach Tropical Islands gefahren, ich will viel lieber baden. Also ziehen wir unsere Badesachen an und suchen uns ein paar freie Liegen. Die sind auch nicht schwer zu finden, denn obwohl es schon halb eins ist, bleibt der große Besucheransturm bisher aus. Aber das ist ja auch gut so, denn nicht nur, dass wir Liegen in der ersten Reihe finden, wir haben auch das Meer für uns. Aber so viel tropisches Flair das Tropical Islands auch hat, im Wasser fühl ich mich wie in einer ganz normalen Schwimmhalle. Die nicht vorhandene Brandung und der kalte Metallboden hätten uns um ein Haar wieder in die Realität zurückgeholt. Doch bevor das passieren kann, gehen wir lieber wieder an den Strand. Würde nicht alle paar Minuten ein Putzfahrzeug an uns vorbeirauschen, würden wir sicher mit den Cocktails in unseren Händen auf unseren Liegen einschlafen. So werden wir jedoch wachgehalten und entschließen uns, nochmal durch den Regenwald zu gehen, um dann vielleicht in der Lagune Ruhe zu finden. Leider gelingt es uns auch da nicht. Denn nachdem wir sehr lange durch den Wald gelaufen sind, weil wir wie Hänsel und Gretel die richtige Abzweigung nicht gefunden haben, stellt Susi fest, dass ihr Zeh blutet. Sehr stark blutet. Sie weiß nicht, wie das passiert ist, ich auch nicht, aber sie braucht auf jeden Fall ein Pflaster. Deswegen gehe ich zum Bademeister.

„Ich bräuchte mal ein Pflaster.“

„Kein Problem, ich hol’ jemanden, kann aber einen Moment dauern.“

Dann kommen gleich drei Leute mit großen Arztkoffern, die mich fragen, was passiert sei. Ich bin etwas verwundert, dass so ein Aufwand wegen eines Zehs betrieben wird, bringe sie aber natürlich trotzdem zu meiner Freundin. Ihr Gesicht werde ich nie vergessen, als ich mit dem Ärztetrio auf sie zukomme. Kurz darauf hocken sie über ihrem Zeh, es ist wie in „Klinik unter Palmen“ mit Klausjürgen Wussow. Am Ende klebt dann trotzdem nur ein einfaches Pflaster an ihrem Zeh.

Lange hält uns dieser blutige Zwischenfall nicht davon ab, die Vorzüge der Lagune zu genießen: Es gibt eine gemütliche Höhle, einen Strudel, zwei Wasserfälle und zwei Rutschen, die nach mehreren Tests von uns für sehr gut befunden werden. Hier, wo wir ewig hätten bleiben können, vergeht die Zeit am schnellsten. Und es gibt ja noch so viel zu sehen und auszuprobieren. Zum Beispiel das Riesentrampolin. Damit springt man, befestigt an Gummiseilen, locker zehn Meter hoch und bekommt so einen guten Überblick über Tropical Islands. Ich springe natürlich so lange, bis mir schlecht wird. Da kann nur noch ein saftiger Burger aus dem Imbiss helfen, um meinem Magen wieder ein besseres Gefühl zu geben.

Und dann ist es so weit, das Musical beginnt. Es soll die Geschichte Brasiliens darstellen, sicher ist auf jeden Fall, dass viel getanzt wird. Wir gucken uns die Show an, hören die Musik, Füße im Sand neue Cocktails in der Hand. Doch der Tag neigt sich langsam dem Ende zu. Wir müssen gehen, denn noch kann man im Tropical Islands nicht übernachten. Langsam laufen wir noch einmal an allem vorbei, damit wir nichts vergessen. Im Shuttlebus, der uns zurück zum Bahnhof bringt, schauen wir der großen Halle hinterher, bis sie nicht mehr zu sehen ist.

Im Regionalexpress sacken wir zusammen. Wir schwelgen in Erinnerungen, die Augen werden immer schwerer. Das letzte, was ich höre, ist meine Freundin: „Ach Schatzi, kann’s uns gut gehn.“

Dann schlafe ich endlich ein.

www.my-tropical-islands.com

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