Das erste Mal : Wir haben’s getan

Wer Freundin oder Freund zum ersten Mal mit nach Hause nimmt, muss Mama, Papa und Geschwister im Griff haben. Sonst kann es schnell peinlich werden.

Neulich, WG-Party in Schöneberg, eine lustige Quatschrunde. Das Thema: Das erste Mal. Jeder im Freundeskreis erzählte grinsend, was man erlebt hat, als man das erste Mal mit „Schatzilein“ im Haus der eigenen Eltern übernachtete. Wir hörten genau hin. Und haben die Anekdoten aus Jungs- und Mädchenperspektive nacherzählt.



DIE BEGRÜSSUNG

Lisa, 21: „Markus, toll dich kennenzulernen“, rief mein Papa an der Wohnungstür und streckte meinem Freund die Hand entgegen. Markus reagierte nicht, sondern guckte nur blöd aus der Wäsche. Markus hieß eigentlich Mario. Kein Grund zur Panik, Väter haben ein schwächelndes Namensgedächtnis. Peinlich wurde es, als er versuchte, selbstständig auf den richtigen Namen zu kommen und dabei die Liste meiner Exfreunde durchnahm, die ungefähr so lang ist wie der Wunschzettel meiner kleinen Schwester zu Weihnachten.

Stephan, 24: Meine Mutter stand neugierig hinter der Gardine, als die potenzielle Mutter ihrer Enkel mit ihrem „Sohni“ heranmarschierte. Dann ging alles schnell: zack, zack, Tür auf, Küsschen, Küsschen, hereinspaziert! Meine Freundin wurde ins Wohnzimmer geschoben – „erst mal ’n Sektchen?“ Gut, dachte ich mir: Immer noch besser als eine Mutter, die meine Freundin erst mal in die Küche zieht, um zu testen, „ob du, Mäusken, meinen Sohn auch ordentlich ernähren kannst – wir richten jetzt gemeinsam den Hackbraten an.“

 

DAS ABENDESSEN

Clara, 21: Horror, als meine Eltern beim ersten Abendessen mit dem neuen Freund die eigenen Bettgeschichten auf den Tisch knallen wollten. „Früher waren wir ja ganz schön wild“, sagte Papa – und Mutter fragte ernsthaft: „Weißt du eigentlich, wo wir dich gezeugt haben, Schatz?“

Tobias, 25: Horror, als mein Papa immer dann voll prollmäßig mit dem Auge zwinkerte, wenn Mama meine Freundin mit einem ordentlichen Nachschlag Bratensoße ablenkte.

 

DAS KINDERZIMMER

Lisa, 21: Und – schwupps! – auf war die Tür zum Kinderzimmer. Ich räkelte mich schon gedanklich im Bett, doch Schatzi war der Appetit angesichts der Pferdebettwäsche gründlich vergangen. Stimmungskiller! Das galt übrigens auch für den alten Bravo-Starschnitt von US 5.

Marc, 22: Die leeren Yoghurtbecher hatte ich clever unterm Bett versteckt, von den Büchern den Staub gewischt, und die Playstation lag hinter der schicken Grünpflanze, die zwei Tage später eh wieder verreckt ist, weil ich sie nicht gegossen habe. Leider hatte ich den Kleiderschrank nicht aufgeräumt – da gucken Frauen ja immer rein, wie ich heute weiß. Schlüpfer mit Ferrari-Logo und die schmissigen Hawaii-Hemden hätte ich wegräumen sollen (natürlich nur auf den Dachboden, mit den Jungs wollte ich im Sommer ja noch nach Mallorca).

 

DIE GESCHWISTER

Clara, 21: Sie waren grausam, meine Geschwister: „Die Clara und der Felix halten unter dem Tisch Händchen!“ Sie danach mit einer satten Tracht Prügel zu bearbeiten, machte es allerdings nicht viel besser.

Stephan, 24: Ich hätte sie zum Vorgespräch bitten sollen. „Wenn du heute brav bist, kaufe ich dir zehn Tafeln von deiner Lieblingsschokolade.“

Clara, 21: Ach Gott, viel zu nett! Ich würde eher scharf drohen: „Wenn du heute nicht die Klappe hältst, erzähle ich der ganzen Schule, dass du den BH ausstopfst.“ Für den Bruder fällt einem bestimmt auch noch ein netter Spruch ein.

 

DIE DEVOTIONALIEN

Sonja, 24: Ich fragte: „Hast du ein Kondom?“ – Er stammelte: „Ich dachte, du nimmst die Pille!“ Hektisches Kramen im Nachtschränkchen. Ja, da war eins, aber halt – war das nicht der Gummi, den ich vor drei Jahren im Biounterricht einer Banane überziehen musste?

Marc, 22: Irgendwann kam auch bei mir die Frage, wer sich um den Kauf der Latexklamotte kümmern sollte – ich trottete also in die Drogerie. Ein Kumpel gab mir vorher aber den gut gemeinten Rat, den Blödsinn an der Kasse sein zu lassen, die Billy-Boy- Schachtel mit einer Zeitung à la „Huch, wie sind die denn da hingekommen“ abzudecken. Die Kassierer achten da eh kaum drauf. Und er hatte recht.

 

DIE ATMOSPHÄRE

Sonja, 24: Ich hatte mir echt Mühe gegeben – viele Kerzen, abdeckende Tücher in verschiedenen Rottönen über den Lampen, Räucherstäbchen …

Stephan, 24: … so viel Stress habe ich gar nicht gemacht: Raumspray benutzen, saugen, Schreibtischlampe statt Deckenleuchte. Ach, und Aschenbecher leeren.

DER ZWISCHENRUF:

Clara, 21: Irgendwann kam Mama rein. „Kekse?“ So schnell, wie sie drin war, war sie allerdings auch schon wieder draußen. Nur diesmal mit rotem Kopf.

Marc, 22: Bei mir war es Vater, der mal eben ins Zimmer stürmte. „Ich wollt’ nur sagen, Hertha hat gerade ein Tor geschossen. Oh, äh …“ Immerhin: Zum Glück hat er die Tröte nicht benutzt.

 

DAS FRÜHSTÜCK

Stephan, 24: Seltsamer Morgen. Alle wussten, was passiert ist, vielleicht hatten es meine Eltern auch gehört, aber welche Stellungen wir im Bett durchexerziert hatten, gehört nicht an den Frühstückstisch. Meinen Eltern wäre bestimmt das Brötchen im Hals stecken geblieben.

Clara, 21: Für die bleibe ich wahrscheinlich für immer Prinzesschen oder Engelchen. Und ich befürchte, dass sich mein Herr Papa seine Tochter ungern in der Löffelchenstellung vorstellt.

 

DER ABSCHIED

Marc, 22: Ungeschminkt sehen Mädchen so, ähm, anders aus.

Lisa, 21: Ich weiß noch, wie der Typ sagte: „Ich ruf an, ja?“ – ich knurrte nur: „Lass mal – ich ruf an!“

Die Namen sind nicht echt – die Anekdoten und das Alter schon. Zugehört haben ihren Freunden André Görke, Ric Graf und Antonie Rietzschel.

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