Werbinich : Das Loch danach

Leo Bruckmann[17 Jahre]

Auf die Fußballweltmeisterschaft freue ich mich schon Monate vorher. WM bedeutet vier Wochen lang nichts als Fußball. Die Schule und meine anderen Hobbys werden zur Nebensache. Ich treffe mich mit vielen Freunden auf der Fanmeile, um mit Deutschlandfahne, Schweini-Trikot und einer schwarz-rot-goldenen Lockenperücke zusammen mit Tausenden von Fans bei den Spielen mitzufiebern. Selbst wenn die Spiele enttäuschend verlaufen und Favoriten wie Frankreich oder Brasilien eher bescheidenen Fußball spielen, ist es immer wieder ein unvergessliches Erlebnis, weil die Atmosphäre einmalig ist. So etwas muss man miterlebt haben!

Aber was kommt danach? Am Tag nach dem Finale, wenn alles vorbei ist? Ich bin nach den letzten Weltmeisterschaften regelmäßig in ein WM-Loch gefallen.

Eine innere Leere, die so plötzlich eintritt wie kaum ein anderes Gefühl. Die Straßen wirken seltsam ruhig und ausgestorben; Deutschlandfahne, Schweini-Trikot und der schwarz-rot-goldene Afro wandern wieder in den Schrank, um dort zu verstauben.

Im Fernsehen muss man sich wieder mit dem alltäglichen TV-Schrott zufriedengeben, anstatt zusammen mit vielen Freunden und Bekannten ein Fußballfest zu feiern.

Dieses Jahr stell ich mir zur Abwechslung mal schon während der WM die Frage: Was kann man gegen diese innere Leere tun? Um ehrlich zu sein, habe ich dafür noch keine Antwort gefunden. Ich könnte natürlich alle Spiele aufzeichnen und immer wieder angucken, bin mir jedoch sicher, dass diese Verdrängungstechnik nicht mehr als eine Zwischenlösung wäre. Viele Erwachsene stürzen sich wahrscheinlich in die Arbeit, was als Schüler, dem sechs Wochen Sommerferien bevorstehen, natürlich nicht geht. Deswegen fliege ich dieses Jahr am Tag nach dem Finale direkt in den Urlaub, um mich am Strand zu sonnen. Ich hoffe, so dem WM-Loch zu entgehen. Ob es mir gelingt, bezweifle ich.Leo Bruckmann, 17 Jahre

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