Werbinich : Das Schuljahr der Reformen

Was tat sich seit August 2003? Und wie kam es an? Lehrer, Eltern und Schüler ziehen Bilanz über außergewöhnliche zwölf Monate

Susanne Vieth-Entus

Wann gab es ein Schuljahr, das derart mit Bildungsreformen voll gestopft war wie dieses, das heute zu Ende geht? Wohl nur nach dem Krieg und in den siebziger Jahren, als die Gesamtschule eingeführt wurde. In den vergangenen zwölf Monaten hat sich an den Berliner Schulen so viel verändert, dass es selbst für die Lehrer und Schulleiter schwierig war, den Überblick zu behalten.

Jetzt wird die Qualität des Unterrichts durch Vergleichsarbeiten kontrolliert, Kinder werden früher eingeschult und müssen keine Schulreifeprüfungen mehr machen. Außerdem können die Berliner das Abitur künftig schon nach zwölf Jahren machen, es gibt flächendeckend Halbtags- und Ganztagsgrundschulen. Die Schulleiter haben mehr Kompetenzen bekommen, Eltern und Schüler mehr Mitspracherechte. Das sind die wichtigsten Neuerungen, die das neue Schulgesetz gebracht hat, das am ersten Februar in Kraft getreten ist. Der Reformmarathon begann aber schonim August: Nach rund 40 Jahren wurde die Lernmittelfreiheit abgeschafft. Dies bedeutet nicht nur, dass die Eltern mehr zahlen müssen. Auch die Schulen haben mit dem Lernmittelbudget finanzielle Flexibilität verloren.

Jeder Reformschritt war von heftigen Diskussionen begleitet. Seit Februar geht es nun nicht mehr ums Diskutieren, sondern um die Umsetzung. Zum ersten Mal schrieben die Zweit-, Viert- und Zehntklässler verpflichtende Vergleichsarbeiten, für potenzielle Sitzenbleiber wurden Förderpläne aufgestellt.

Gleichzeitig müssen die Reformen vorbereitet werden, die erst im kommenden Schuljahr greifen: zum Beispiel die Einschulung von Kindern mit fünfeinhalb Jahren oder das neue Fach Naturwissenschaften, der Mittlere Schulabschluss, die stärkere Praxisnähe der Hauptschulen und die verpflichtenden Deutschkurse vor der Einschulung und und und.

Aber jetzt sind erst einmal Ferien.

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