Werbinich : DAS VERMISST MAN

Mein Exfreund hat lange Jahre auf dem Land gelebt, in der totalen Einöde. Schon ganz früh hatte er musikalische Vorbilder, er fing an, sich über sie zu informieren, sich in deren Welt einzuarbeiten. Er saß zu Hause, hörte sich Platten an oder las Zeitschriften und Bücher. Und hatte deshalb einen wahnsinnigen Wissenshorizont. Ich hingegen interessierte mich für verschiedene Sachen, fand vieles spannend. Die Vorstellung, nichts drumherum zu haben und einfach aus sich heraus zu schöpfen, finde ich sehr romantisch. Ohne Ablenkung Zeit zu haben. Was einem in der Stadt auch manchmal fehlt: die Naturerfahrung. Ich genieße es total, wenn es mal heftig gewittert, wenn es mal so richtig stürmt. Es ist, als ob sich die Natur meldet, mit aller Gewalt auf sich aufmerksam machen will. Das vermittelt einem eine ganz andere Kraft, als wenn zum Beispiel ein Bus um die Ecke fährt – selbst wenn es ein Doppeldecker ist.

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