Werbinich : Den Ball treten, den Rasen treffen

Wie viel Umweltschutz braucht die WM? Schüler aus Berlin und der Slowakei haben nachgefragt

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Anfang April besuchten 19 Gymnasiasten aus dem slowakischen Poprad 22 Elftklässler des Dathe-Gymnasiums in Friedrichshain. Im Rahmen des Projekts „Umwelt baut Brücken – Jugendliche im europäischen Dialog“ recherchierten sie gemeinsam die Bedeutung des Umweltschutzes bei der Fußball-Weltmeisterschaft. Im Juni fahren die Dathe-Schüler in die Slowakei, um dort ein ähnliches Thema zu erforschen und darüber zu schreiben. Unterstützt wird der Austausch, an dem 34 deutsche und osteuropäische Schulen teilnehmen, von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und dem Aachener Izop-Institut. Die folgenden Texte und das Interview haben die Dathe-Schüler geschrieben.

Die Parkplätze am Olympiastadion waren beim Pokalendspiel vergangenes Wochenende überfüllt. Wie soll das erst bei der Weltmeisterschaft werden? Ganz einfach: Die Besucher fahren mit der Bahn. Nebenbei schützen sie so die Umwelt. Für die Organisatoren der WM ist der Umweltschutz aber nicht nur ein Nebeneffekt. Wer genau hinschaut, entdeckt auf vielen Plakaten neben dem Logo der WM auch das des Umweltprogramms „Green Goal“. Die Idee zu diesem Projekt entwickelte der Deutsche Fußballbund zusammen mit dem Öko-Institut, das nach eigenen Angaben größte private Forschungs- und Beratungsinstitut für Umweltschutz in Deutschland.

Die WM 2006 ist die erste, die ein ausgewiesenes Umweltschutzprogramm hat – mit dem Ziel, die Umweltbelastung zu minimieren und gleichzeitig der Dritten Welt zu helfen. Die 100 000 Tonnen Treibhausgas, die nach Einschätzung des Öko-Instituts bei der WM entstehen, durch den Stadionbetrieb, die Fanfeste, Transport, und die sich nach Meinung der Experten nicht einsparen lassen, die sollen mit Hilfe von „Green Goal“ in Indien eingespart werden. Indem dort die Energieversorgung in der südindischen Region Tamil Nandu modernisiert wird. Bisher wurde dort an offenen Feuerstellen mit Kerosin gekocht. In Zukunft sollen Gasherde die Feuerstellen ersetzen, deren Brennstoff aus Kuhdung gewonnenes Biogas ist.

Die Organisatoren von „Green Goal“ wollen die Luft schonen, Wasser und Energie sparen und Müll vermeiden. Um die Fußballfans in die Busse und Bahnen zu locken und dadurch Autoabgase zu minimieren, hat „Green Goal“ für die WM eine Idee übernommen, die schon seit Jahren bei der Bundesliga gut funktioniert hat: das Kombiticket. Es ist Eintritts- und Fahrkarte für den Nahverkehr in einem.

Um den Rasen kräftig grün zu halten und dennoch Trinkwasser zu sparen, setzt „Green Goal“ neue Bewässerungsanlagen ein. Das Besondere: Ein Teil des Regenwassers, das auf das 42 000 Quadratmeter große Berliner Stadiondach fällt, wird in einer Zisterne gesammelt, die über 1700 Kubikmeter Wasser fasst. Das darin gesammelte Wasser reicht, um das Spielfeld und weitere Nebenfelder zehn Mal zu bewässern.

Die meisten Ressourcen, Wärme und Strom verbraucht in einem Stadion aber die Flutlichtanlage. Bei der Modernisierung des Olympiastadions hat man die alten Masten mit den Scheinwerfern aus dem Jahr 1966 gegen eine High-Tech-Anlage ersetzt. Ingenieure einer Berliner Spezialfirma haben zwei Jahre entwickelt, gemessen und gerechnet, um den idealen Ort für die neuen Strahler herauszufinden, so dass sie optimal die Umgebung ausleuchten. Das Ergebnis: Die neue Anlage besteht aus 155 Doppelscheinwerfern, die in 40 Metern Höhe am inneren Rand des Daches installiert sind. Jede Leuchte hat eine Leistung von 2000 Watt, die von Metalldampflampen erzeugt werden. Die Anzahl der Scheinwerfer konnte von 500 auf 310 reduziert und der Stromverbrauch um 40 Prozent gesenkt werden. Denn die neuen Strahler streuen das Licht nicht mehr, sondern beleuchten punktgenau nur noch das Spielfeld, sie erzeugen anders als die alten den so genannten Theatereffekt.

Um Müll zu vermeiden, sollen in allen zwölf WM-Stadien Getränke und Essen nur in Mehrweggeschirr und gegen Pfand ausgegeben werden. Veranstalter von anderen Großereignissen haben bereits ihr Interesse am „Green Goal“-Konzept bekundet, darunter die Schweiz und Österreich, Gastgeber der Europameisterschaft 2008 und London, wo 2012 die Olympischen Sommerspiele stattfinden sollen. Falls es der deutschen Nationalmannschaft nicht gelingen sollte, den WM-Titel zu gewinnen, so hat sie doch wenigstens einen Titel sicher: den des Um-Weltmeisters.

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