Werbinich : Der letzte Schrei

K.I.Z. AUS KREUZBERG

Schwachköpfe, zurückbleiben!

Die rappende U-Bahn fährt ab

Schönen guten Morgen, alle wach? Nein? Na, das trifft sich super, denn eigentlich dürfen wir das hier auch gar nicht schreiben. Ist nämlich geheim. Bis jetzt zumindest. Also: „Pssst!“. Danke.

Jedenfalls geht das hier raus an alle, die am U-Bahnhof Schlesisches Tor wohnen, in Kreuzberg also. Dorthin fährt man ja ständig, wenn man zu einem Rockkonzert ins „Lido“ will oder sich trifft mit Freunden in all den Bars an der Oberbaumbrücke. So weit, so schön.

Jetzt kommt’s: Weil wir als Tagesspiegel so krass-enge Beziehungen haben zum Underground-Hiphop in Berlin, haben wir es natürlich auch als Allererste erfahren. Die Jungs von „K.I.Z.“ – die sind in der Branche schwer angesagt – veranstalten am Montag einen, na sagen wir vorsichtig, gemeinsamen U-Bahnausflug mit Mikrofon. Und wir sollen euch ausrichten: Ihr seid herzlich eingeladen zum frech-fröhlichen Abend. (Die Jungs von K.I.Z. und vom Label Universal bitten übrigens darum, sich doch bitte schön einen Fahrschein für 2,10 Euro zu kaufen – Typen, die auf Ärger aus sind, bleiben bitte gleich zu Hause. Danke.).

K.I.Z., das steht für protzend-alberne Namen wie „Künstler im Zuchthaus“, „Kriegsverbrecher in Zwangsjacken“ oder auch „Kannibalen in Zivil“. In der Band sind: Euro8000 (Nico), Tarek, DJ Craft (Sil-Yan) und Maxim. Einer geht zur Uni, ein anderer arbeitet mit Kindern, einer ist Physiotherapeut. Ja, sie rappen lauthals von Schwänzen, Gangstern und liebend gern auch über rohes Fleisch (weil das alles so schön plump klingt). Bei ihren Konzerten fliegt schon mal ein Kotelett durch die Luft – auch deshalb veralbern sie sich selbst als „die härtesten Griller der Stadt“. Und weil ihre Fäkalsprache, ihr überdrehter Humor und all ihr Gangsterquatsch als eben solcher ziemlich gut zu erkennen ist, hat sich sogar die „Zeit“ mal an die Jungs rangetraut und die „Süddeutsche Zeitung“. Die formulierte es so: Wer sich bei der Bloodhound Gang (K.I.Z. waren übrigens mal deren Vorband!) und den „früher ebenso derben Ärzten und den anzüglichen Pointen von Otto auf die Schenkel klopfe, dürfte sich bei K.I.Z. bestens amüsieren“. Allerdings: Da es eben doch viel Fäkalsprache ist, kann man es auch ziemlich bescheuert finden. Auch gut.

Bei ihren Konzerten sieht man nicht nur die Beatsteaks grinsend in der Halle, sondern auch viele Studenten und Frauen. Und die eher soften Rocker von Virginia Jetzt! haben mal gesagt, dass sie sich die Lieder im Tourbus anhören. Scheint also gar nicht so schlimm zu sein. In der aktuellen Ausgabe unserer Kollegen vom Stadtmagazin „Zitty“ haben sie übrigens deutlich gesagt, was sie von vielen schwulenfeindlichen Texten ihrer Rap-Kollegen halten: „Sehr dumm und nazimäßig.“

Am Freitag kommt dann ihr neues Album raus, „Hahnenkampf“ heißt es. Und am 29. September laden sie alle Freunde des derben Humors in den Columbia Club. Wir wünschen viel Spaß. AG

Wann es losgeht am Montagabend und auf welchem Bahnsteig, verraten die Jungs am Wochenende auf www.k-i-z.com. Wer lieber grillen gehen will ohne schmutzigen Rap, dem sei das Wochenende empfohlen. Es werden 25 Grad erwartet.

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