Werbinich : DER LETZTE SCHREI

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OHREN AUF DER BRUST

Mit Mickey und Minnie durch den Sommer

Ich hätte Trendsetter werden können. Es ist ein paar Jahre her, da brauchte ich dringend Unterwäsche. Ich ging zu H&M und kaufte einen von diesen typischen UnterhosenDreierpacks: eine rote, eine weiße und eine rot-weiße, verbunden nur mit einem kleinen Plastikband . Unterwäsche kaufen am Grabbeltisch ist ja immer ein bisschen peinlich. Also achtete ich vor allem darauf, dass mich niemand im Geschäft erkannte und entdeckte erst zu Hause, was ich wirklich gekauft hatte: Auf der weißen Unterhose warf mir eine handgroße Minnie-Maus Kusshände zu, die rote zierte ein überdimensionales Mickey-Grinsen. Der Hammer aber war die rot-weiße: Ungefähr 500 Mickey- und Minnie-Maus-Köpfe bildeten ein Karo-Muster, mit dem ich mich nicht einmal in den Kindergarten getraut hätte. Ich habe natürlich keine von diesen drei Unterhosen jemals angezogen, sondern sie irgendwo in den Tiefen meines Kleiderschrankes verscharrt.

Aber: Das war dumm, das war rückständig, das war uncool. Ich hätte den Trend sehen müssen. Jetzt sind mir Naomi Campell und Robbie Williams zuvorgekommen. Die beiden laufen seit vergangenem Sommer mit Mickey-T-Shirts rum. In der letzten Staffel von „Sex and the City“ trug Sarah Jessica Parker ein Mickey-Maus-Shirt zur Jeans. Halb Berlin hat schon Mäuse auf dem Bauch – nur ich trage noch Städtenamen auf der Brust spazieren. Das ist schlimm. Dabei präsentierte sich schon Thomas Gottschalk in den 80er Jahren in T-Shirts mit Micky Maus drauf. Ich ging damals noch in die Grundschule und Gottschalk drehte zusammen mit Mike Krüger so Filme wie „Die Supernasen“. Jetzt habe ich zu Ende studiert und esse jeden zweiten Tag Nudeln, um mein Konto nicht vor dem 20. des Monats in die roten Zahlen zu stürzen. Thomas Gottschalk schmeißt im ZDF mit „Wetten, dass…“ den Samstagabend. Er darf Naomi Campell in den Ausschnitt gucken. Er darf mit Marcel Reich-Ranicki über den deutschen Fußball reden. Er zieht bei fremden Familien zu Hause ein. Er ist reich. Ich dagegen suche verzweifelt nach den drei verschollenen Unterhosen von damals. „No need to be perfect, when you look good“, hat mal ein schlauer Mensch gesagt. Vielleicht war es Robbie Williams. Vielleicht Sarah Jessica Parker. Ich brauche so ein Mickey-Maus T-Shirt. sos

Die Shirts bekommt man bei „New Yorker“ für 14,95 Euro. Es gibt sie für Jungs und Mädchen.

(Fotos: Promo)

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