Werbinich : DER LETZTE SCHREI

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OHNE WORTE

Träume auf dem TShirt

Irgendjemand hat mal gesagt, man soll seine Träume verwirklichen. Ich wollte unbedingt mal Lehrerin werden. Vor allem wegen der lässigen Arbeitszeiten und der langen Sommerferien. Ich fing also an, Französisch zu studieren und Sport. Bis ich herausbekam, dass man sich nicht zum Examen anmelden darf, wenn man nicht vorher mindestens ein halbes Jahr im Ausland gewesen ist. Ich war hocherfreut, träumte davon, mehrere Monate irgendwo an der französischen Mittelmeerküste zu wohnen, vielleicht in Cannes oder St.Tropez. Ich wollte ein bisschen studieren und sehr viel Zeit am Strand verbringen, tolle Jungs kennenlernen und ein paar Filmstars treffen. Leider hatten noch mehr Studenten die gleiche Idee und so gab es ein Auswahlverfahren. Ich durfte nicht an die französische Mittelmeerküste, sondern sollte nach Privas. Privas ist ein kleiner Ort in der Nähe des französischen Z entralmassivs , 15 000 Einwohner und mit ungefähr so viel Glamour versehen wie der Gelsenkirchener Stadtpark.

Etwas später schickte man mich nach Kanada , Provinz Quebec. Ich kam am15. August dort an. Es war sehr heiß und ich träumte von einem milden Winter. Zwei Wochen später fiel der erste Schnee. Als ich acht Monate später wieder ins Flugzeug Richtung Deutschland stieg, war die Startbahn immer noch vereist. Ich werde diesen Winter in Kanada nie vergessen: Jeden Abend schlief ich ein und wünschte mir nichts sehnlicher, als einen Tag ohne Schneesturm. Im Jahr danach nahm ich die Sache selbst in die Hand. Ich sicherte mir ein Praktikum in Südfrankreich. St. Tropez war natürlich schon ausgebucht, aber ich durfte nach Marseille. Ich hatte leider nicht bedacht, dass Marseille im Juli und August keineswegs schick und mondän ist, sondern einfach nur laut, heiß und stickig. Außerdem musste ich jeden Tag elf Stunden arbeiten, in einem klimatisierten Raum ohne Fenster . Wieder fing ich an zu träumen, diesmal von einer kleinen Südseeinsel ohne Lärm und Autogestank. Vielleicht hätte ich mir ein T-Shirt von „puppylove“ kaufen sollen. Die haben einen großen weißen Punkt auf der linken Brust, der einen daran erinnern soll, seine Träume zu leben. Außerdem wirbt ein verdammt süßer Hund für die Shirts.

Diesen Sommer bin ich in Berlin. Es regnet jeden zweiten Tag, und glamouröse Menschen habe ich auch noch nicht getroffen (außer Friedhard). Ich gebe nicht auf: Ich träume immer noch von einem Sommer am Meer. Aber möchte keine Lehrerin mehr werden. sos

Die „puppylove“-Shirts kann man bestellen unter

thepuppyloveshirts.com

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