Werbinich : DER LETZTE SCHREI

Okka Rohd

YEEE-HAW

Mit Cowboystiefeln auf dem Weg

in einen wilden Sommer

Ich konnte ihnen nicht widerstehen. Ich habe sie nicht gesucht, sie haben mich gefunden. In einem alten, leicht muffig riechenden Secondhandshop, der rein gar nichts zu bieten hatte bis auf ein tolles Paar: schwarze Cowboystiefel , schön abgeschrammt und genau eine Nummer zu klein. Sie schmerzen ein wenig beim Gehen, aber das ist herzlich egal, denn diese Schuhe sind nicht bloß Styling, sie sind ein Statement. Sie lassen einen deutlich lässiger aussehen, als man ist. Sie ziehen die Blicke Wildfremder auf sich. Sie sind ein Stück Freiheit, das man sich im Laden kaufen kann, von dem man zwar abhängig wird, das der Lunge aber nicht schadet. Sie schenken einem so viel Lässigkeit, dass es einen nicht weiter kratzt, ob es draußen regnet oder die beste Freundin mal wieder Zicklaune hat.

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Wieso das so ist? In diesen Teilen kann einem keiner was. Wieso sollte man sich noch die Füße in abartigen Riemchensandalen brechen? Mit Cowboystiefeln bleibt man auf dem Boden, und das färbt auch auf die Haltung ab – nicht nur auf die äußere. Mit diesen Schuhen ist man kein ätherisches Wesen mehr, sondern ist gezwungen, stampfend einen Fuß vor den nächsten zu setzen. Anders ausgedrückt: Wer Cowboystiefel trägt, hinterlässt Spuren. Selbst das Berliner Kopfsteinpflaster kann einem damit nichts mehr anhaben. Auch die anstrengende Fußnägel-Lackierung fällt flach.

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Mal abgesehen von diesem psychologischen Moment sehen sie natürlich großartig aus, wie zum Beispiel Sienna Miller , der neue Liebling der Promipostillen und Jude-Law-Verlobte, beweist. Sie kombinierte Cowboystiefel jüngst so sexy zum Jeansmini, dass andere Hollywood-Leute sofort nachzogen. Vor „R.Soles“, der Londoner Adresse für Cowboystiefel, stehen die mittlerweile Schlange. Kate Moss hat welche, Heidi Klum und die Beckhams natürlich. Man muss nicht fragen warum. Man muss nur gucken, wie diese Leute aussehen, wenn sie die Welt in ihnen durchschreiten. Auch Nancy Sinatra weiß ganz genau, worum es geht, wenn sie singt: „These Boots are made for walking“. Dabei waren sie – natürlich – eigentlich zum Reiten gemacht: „In Coffeyville, Kansas, gab es einen Stiefelmacher mit Namen J.W. Cubine, der Stiefel machte, die nach dem Muster der im Bürgerkrieg getragenen Stiefel gemacht wurden“, heißt es etwas umständlich auf der Website www.cowboyboot.to. Und weiter: „Sie hatten einen hohen Schaft und eine runde Spitze, waren kniehoch, wie Kavalleriestiefel. Sie hatten einen hohen Absatz und die Spitze war abgerundet. Es gibt eine alte Geschichte, die besagt, dass Charles Hayer aus Olathe, Kansas, den ersten Cowboystiefel herstellte. Die Geschichte besagt, dass ein Cowboy auf dem Weg nach Hause von einem Viehtrieb zum Schlachthof in Kansas City Station im Geschäft von Hayer machte. Er wollte sie spitz zulaufend, damit er leichter in den Steigbügel kam, einen hohen abgeschrägten Absatz um den Steigbügel bei einem scheuenden Pferd nicht zu verlieren.“

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Kommen wir jetzt von der Theorie zur Praxis . Es wird langsam wärmer, die Stiefelzeit ist streng genommen vorbei. Mit dem Cowboystiefel-Trend stellt sich daher automatisch die lästige Frage nach der Fußhygiene. Vertragen solche Stiefel Temperaturen über zwölf Grad Celsius? Die Antwort: Im Prinzip ja. Die richtig Kernigen tragen Cowboystiefel sowieso wie ein Mann: selbstredend ohne Socken. Blasen befördern außerdem den richtigen Gang.

Cowboystiefel sollte man in Deutschland grundsätzlich nur secondhand kaufen. Oder bei „Marlboro Classics“.

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