Werbinich : DER LETZTE SCHREI

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FEUER FREI!

Der brennende Hackysack:

Gehäkeltes in Flammen

Die Nacht ist schwarz. Einzig die Straßenlaternen im Treptower Park spenden etwas Licht. Von den fünf im Kreis stehenden Gestalten sind aus der Ferne nur die Silhouetten zu erkennen. Die fast handballgroße, gelbe Flamme sticht sofort ins Auge. Die Jungs schießen die Flamme einander mit den Füßen zu, zischend fliegt der Ball durch die Nacht.

Feuer-Footbag heißt das Ding, oder auch Hackysack. Im Innern des gehäkelten Balls können sich Bohnen befinden oder auch Plastik-Granulat. So ein Hackysack passt prima in die Tasche, lässt sich gut knautschen und ist deshalb das optimale Spielzeug für unterwegs. Egal, ob man gerade auf dem U-Bahnsteig steht oder auf dem Schulhof.

Auf die Idee sind einst zwei Amerikaner gekommen. Der eine hatte eine Knieoperation hinter sich und wollte trainieren. Sein Kumpel brachte ein gehäkeltes Säckchen mit, das sie sich dann zuspielten. Auch der Name für das Treten (hacking) des Balls (the sack) war schnell gefunden. Hackin’ the sack; kurz: Hackysack. Aus der Therapie ist längst ein Trendsport geworden.

Hackysacks sind leicht zu erkennen. Sie sehen aus der Ferne aus wie tote Mäuse, aber mit denen würde natürlich keiner hin und her kicken. Optisch lassen sich der brennbare und der unbrennbare Ball gut unterscheiden: Der eine ist grau, der andere bunt. Auch der Feuer-Footbag ist mit Granulat gefüllt. Nur ist das Granulat in „The Fire-Hack“ , wie ihn seine kanadischen Erfinder getauft haben, chemisch behandelt und deshalb resistent gegen Hitze.

Ganz ungefährlich ist das Spiel mit dem Feuer allerdings nicht. Es soll schon Typen gegeben haben, die Hemden aus Synthetik getragen haben und sich dann über die Flammen am Körper wunderten. Wer auf Schmerzen steht, kann ja seine Schuhe ausziehen und einfach barfuß kicken. Deshalb gilt für Hackysack: Badelatschen oder Flip-Flops sind keine guten Voraussetzungen für einen lustigen Nachmittag. Und mit dem Kopf sollte man das Ding auch nicht spielen.

Vor der ersten Benutzung muss der Ball mindestens drei Stunden in Petroleum eingelegt werden, das brennt zwar nicht so schön wie Kerosin oder Benzin, ist aber nicht ganz so gefährlich. Wer seine neuen Sneakers anzieht und diese nicht gleich wieder in den Müll werfen will, sollte den Ball ein paar Mal auf den Boden werfen, bis er kaum noch Öl abgibt.

Schön prollig geht es immerhin beim Anzünden zu: da benutzt man am besten ein Sturmfeuerzeug. Je nach Handhabung kann man den Ball 40 bis 100 Mal anzünden, bevor das Plastikgranulat durch die zu groß gewordenen Maschen fällt.

Drei bis fünf Minuten brennt der Ball, bevor er wieder in Öl eingelegt werden muss. Ach, und natürlich sollte nur unter freiem Himmel und auf gesäubertem Gelände gespielt werden. Sonst fackelt man noch aus Versehen die Schule ab.

So viel zur Theorie. Natürlich kann man mit dem brennenden Hackysack auch in der glühenden Mittagssonne spielen. Spaß macht’s allerdings nur am Abend. Man will ja schließlich auch angeben mit so einem Ding. ist

Ein Feuer-Footbag kostet 20 Euro und kann zum Beispiel bei den Machern der Internetseite www.footbag-shop.de bestellt werden. Wer Angst vor Feuer hat und trotzdem nachts spielen will, greift zur ungefährlichen Variante: einem batteriebetriebenen, leuchtenden Footbag für sechs Euro. Normale, also bunte, Hackysacks gibt es in vielen Sportgeschäften.

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