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DU HAST DA WAS AM HALS

Die Rückkehr des Sommerschals

Es ist schon merkwürdig: Die Frauen, die im Winter gerne barfuß in Sandalen herumlaufen, legen im Sommer einen Schal um. Natürlich nicht irgendeinen Schal – nein, es handelt sich bei diesen dünnen, langen Modellen um so genannte Sommerschals. Eigentlich ein Widerspruch in sich. Denn ein Schal soll im Winter wärmen und vor einer Erkältung schützen. In einen dicken Winterschal aus Wolle kann man sich so richtig schön einkuscheln. Je länger und dicker der Schal, desto dünner kann die Jacke sein, denn seine wärmende Wirkung strahlt vom Hals auf den Rest des Körpers ab.

Ganz anders die Sommerschals: Sie sind ein modisches Accessoire ohne Funktion, sollen einfach nur gut aussehen – wie ein Schmuckstück. Der Vorteil ist, dass man mit einem solchen Stoffstück bekleidet auch dann noch elegant und relativ angezogen aussieht, wenn man im Bikini an der Strandbar ein Eis bestellt. Und: Es flattert so schön um einen herum.

Auf keinen Fall darf der Schal kratzen, das ist schon im Winter schrecklich, aber bei 25 Grad purer Masochismus . Ständiges Jucken am Hals wirkt dann – Schal hin oder her – auch gar nicht mehr elegant. So provoziert die Schalträgerin nur lästige Fragen: „Warum trägst du denn bei der Hitze überhaupt einen Schal? Bist du krank?“ Das Schaltragen soll ja schließlich nicht zur Schau gestellt werden. Eleganz bedeutet hier Zurückhaltung.

Wirklich vornehm sieht nur ein Schal aus, der in der richtigen Weise um den Hals geschlungen ist. Wie bei dem Model rechts, das eine Kreation des iatlienischen Labels „Etro“ zeigt. Ein- bis maximal zweimal genügt, die Enden müssen ja noch lang genug sein, um dann wirklich schön im Wind flattern zu können. Ein gleich zehnfach um den Hals gewickelter, verknäulter Schal, von dessen Muster und Stoff nichts mehr zu erkennen ist, und dessen Enden im schlimmsten Fall auch noch zusammengeknotet sind, ist das absolute Gegenteil von Eleganz. In diesem Zustand erinnert der Schal an gebaktikte Baumwollhalstücher, die zum Tee trinken in der Küche ja schön und gut sein mögen, mit denen man – zumindest an einem Tag, an dem man gut aussehen möchte – aber wirklich nicht das Haus verlassen sollte. Die echten Sommerschals dagegen wirken feminin und ein bisschen damenhaft – das weibliche Pendant zur Krawatte . Nur viel besser, denn es gibt keinen Knoten, der einem den Hals abschnürt. Tragen kann man den Schal bei allen Gelegenheiten: Tagsüber dezent und in passender Farbe zum T-Shirt, abends zum Ausgehen die glamouröse Variante.

Einen Nachteil haben die Sommerschals: Man bleibt mit ihnen überall hängen, vor allem wenn Fransen dran sind. Sie verhaken sich permanent im Reißverschluss der Jacke oder an den Ohrringen.

Auch vor Türklinken sollte man sich mit einem Schal in Acht nehmen. Vorsichtige Bewegungen sind also nötig – aber das ist ja eigentlich schon wieder elegant. kami

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