Werbinich : DER LETZTE SCHREI

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DAUERCAMPING

Die Bar 25 ist genau der richtige Platz für jetzt sofort

Kennt noch jemand das Wort Rave? Erwachsene Menschen erzählen mit leuchtenden Augen, wie sie früher in das EWerk gingen und dort bis in den Morgen oder den Übermorgen tanzten, manchmal halbnackt und selten bei Besinnung. Das ist eine Ewigkeit her, mindestens zehn Jahre. Sie haben sich Nächte um die Ohren geschlagen. Heute geht das viel einfacher. Man steht am Sonntag früh auf, duscht und radelt zur Bar 25. Denn in dem kleinen Open-Air-Club laufen die Tanzbegeisterten erst vormittags zur Hochform auf.

Die Bar 25 gilt als der Geheimtipp des Sommers. Deshalb steht die Adresse auch in keinem Stadtmagazin, rammelvoll wird der Laden trotzdem. Die meisten Besucher kommen, um ein Geheimnis zu entdecken, so als seien sie Pfadfinder im Dschungel. Der Weg ist aber ganz unspektakulär. Man fährt zum Ostbahnhof, geht die Holzmarktstrasse in Richtung Jannowitzbrücke zurück und gelangt kurz vor den Brückenpfeilern der Hochbahn an eine Holztür, auf der eine 25 gemalt ist. Das ist der Eingang. Zugegeben: Von außen wirkt das Lokal wie eine verwahrloste Garagen-Anlage. Der Schlauch zum Spree-Ufer erweckt nicht den Eindruck, man betrete gleich das Mekka Berliner Subkultur. Rechts steht ein weißer Container, in dem sich die Toiletten befinden – die herzensgute Toilettenfrau wischt regelmäßig auf und verkauft frisches Obst. Die große Überraschung : An der Spree wird es richtig grün, Bäume spenden Schatten, zwei Schaukeln hängen an den Ästen, ein Mädchen in engen Jeans und Flatterhemd schwingt rhythmisch im Wind. Dahinter endlich die Bar, eine Holz-Baracke, die früher vielleicht auf einem Campingplatz in der Uckermark gestanden hat, jetzt aber als Western-Saloon aufgemotzt ist. Tische, verlauste Sofas und der übliche Schein von Mobiliar sind unter dem offenen Dach versprengt, als wäre Batman einmal durch geflogen. Eine Treppe führt in einen höher gelegenen Raum. Abends dient er als Restaurant. Manchmal kocht hier der Chef vom Cookies Cream , das kürzlich schließen musste.

Viele junge Menschen sitzen, tanzen, reden, trinken, winken den Touristen-Dampfern zu. Frühstück rückt an diesem Sonntagmorgen in weite Ferne. Peaches hat hier Platten aufgelegt. Eine Freundin torkelt auf einen zu, sie hat die Erzählung der Erwachsenen zu ernst genommen, sie berichtet stolz, dass sie schon das ganze Wochenende hier sei. Einen Schlafsack habe sie auch dabei. Aber die Bar vermietet auch Holz-Hütten – für alle die, die den Weg nach Hause nicht mehr finden. In der Bar 25 genießt man eine Mischung aus Teilzeit-Camping und Dauerparty. Dieses Wochenende feiert die Bar einjährigen Geburtstag. Annähernd 72 Stunden legen DJs auf, das ist ein Abenteuer, das mitreißt – genauso wie die elektronische Musik, die tuckert, mal wie eine Sirene heult, aber nie aufdringlich in die Magengrube haut. Ganz nüchtern betrachtet sieht das wie ein Zoo aus, in dem Jugendlicher wohnen. Oh, die Schaukel ist frei. Hin da! ulf

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