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DAS HOLZSPIEL AUS FINNLAND

Mölkky macht’s!

Mit Milch hat das Ganze gar nichts zu tun, auch wenn es ein bisschen so klingt. Mölkky ist ein finnisches Spiel und eine Art Mischung zwischen Boule und FreiluftKegeln. Hier kennt es fast noch niemand, aber in Finnland ist es seit zwei, drei Jahren ganz groß in Mode.

Mölkky geht so: Es werden zwölf dicke Holzstäbe dicht nebeneinander aufgestellt, auf denen Nummern von eins bis zwölf stehen. Auf die muss man dann aus einem Abstand von drei oder vier Metern mit einem anderen dicken Holzstab werfen. Wenn mehrere Klötze umfallen, zählt ihre Anzahl, bei nur einem zählt die Nummer, die darauf steht. Und natürlich geht es darum, möglichst viele Punkte zu bekommen. Ist also ganz einfach.

Ich habe vor ein paar Tagen zum ersten Mal Mölkky gespielt. Eine finnische Freundin hat es von zu Hause mitgebracht. Anfangs waren wir echt schlecht, doch wir haben uns alle enorm gesteigert, durch Training kann man viel machen. Dafür spricht auch, dass die beiden finnischen Mädchen, die dabei waren, immer gewonnen haben. Mölkky ist in Finnland mittlerweile eine Art Volkssport. Dieses Wochenende sind in Lahti auch die Weltmeisterschaften . Meine Freunde und ich haben ja kurz und ernsthaft überlegt, schnell ein deutsches Nationalteam zu gründen und anzutreten. Wir hätten dort sicher eine ähnliche Rolle gespielt wie damals der britische Skispringer Eddie the Eagle bei den Olympischen Spielen 1988 in Calgary. Der wurde von den Favoriten schnell deklassiert, eroberte dafür aber die Herzen des Publikums.

Gegen unseren WM-Erfolg spricht nämlich auch: So einen Holzklotz zu treffen, kann ganz schön schwierig sein. Die Dinger werden nämlich dort wieder aufgestellt, wo sie mit ihrer äußersten Kante hingefallen sind. Irgendwann liegen sie dann ganz schön weit weg. Wer dreimal hintereinander daneben wirft, fliegt raus.

Mölkky ist auch so ein großartiges Spiel: Man kann seine Freunde im Park treffen, ein paar Bier mit ihnen trinken, quatschen – und dabei eben auch spielen. Mölkky beherrscht nicht den Abend, die Regeln sind so leicht, dass man sie sofort versteht. Man muss auch nicht groß aufpassen, dass man keine gewitzten Spielzüge der anderen verpasst und deshalb verliert. Aber gleichzeitig ist Mölkky eben doch so spannend und lustig, dass man sich nicht gelangweilt ins Gras setzt. Ein Mölkky-Treffen im Freien ist etwas anderes, als würde man nur wieder einen weiteren Abend in irgendeiner Kneipe herumsitzen. Außerdem kann man ein bisschen Sport machen, sich dabei normal unterhalten und muss sich nicht gegenseitig ankeuchen, wie zum Beispiel beim Joggen. Das finnische Spiel ist also irgendetwas zwischen Soft-Sport und Gesellschaftsevent . Wie viele Leute daran teilnehmen, ist egal. Denn Mölkky macht zu zweit genauso viel Spaß wie zu zehnt. Die Spieler können auch flexibel ein- oder aussteigen. Wenn man Mölkky abends im Park spielt, trifft man sich am besten möglichst früh. Denn wenn es dunkel wird, kann man die Zahlen auf den Holzstäben nicht mehr erkennen.

Übrigens haben wir uns jetzt aus Zeit- und Kostengründen gegen die WM entschieden. Stattdessen spielen wir lieber wieder hier im Park – wenn das Wetter gut genug ist, gleich heute Abend. kami

Mölkky kann man selbst basteln, Material gibt es in jedem Baumarkt. Wer dazu keine Lust hat, kann das Spiel zum Beispiel auf der Internetseite www.fun4kids.de bestellen; ihr findet es dort unter dem Begriff „Finnisches Kegeln“.

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