Werbinich : DER LETZTE SCHREI

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MODERENNER CORDBLAZER

Von Männern lernen:

Im Rippenstoff zur Hochzeit

Hochzeitseinladungen und offizielle Termine, ihr könnt kommen. Vorbei die Zeiten der quälenden Suche im Kleiderschrank: War da nicht vielleicht doch etwas Schickes drin, das ich nur wieder vergessen habe? Was hatte ich überhaupt bei der letzen Hochzeit an? Ach so, das war die Stola einer Freundin und das Kleid von meiner Schwester, bei dem an einigen Stellen der Saum herunterhing. Den habe ich am Abend vorher noch schnell mit einigen Sicherheitsnadeln umgesteckt. Besonders elegant fühlt man sich so nicht. Aber wie gesagt: Diese Zeiten sind endlich vorbei.

Ich habe jetzt etwas Eigenes zum Anziehen für feierliche Anlässe gefunden. Und zwar etwas, in dem ich mich weder hoffnungslos underdressed noch wie auf meiner eigenen Konfirmation fühle. Ich habe mir einen Cordblazer gekauft und einen passenden Rock gleich dazu. Okay, zugegeben, ein komplettes Schicke-Einladungen-Outfit ist das noch nicht unbedingt, aber immerhin ein gut gemeinter Anfang.

Das Schöne an dem neuen Blazer ist, dass man ihn auch an jedem normalen Tag anziehen kann. Deswegen habe ich ihn gekauft, im Gegensatz zu all den anderen schicken Jacken, Hosen und Oberteilen, die ich in den letzten Jahren in Geschäften anprobiert habe. Denn immer habe ich mir dann die Frage gestellt: Und wann soll ich das später noch mal tragen? Da ist mir nie ein Anlass eingefallen, bis zum nächsten Fest habe ich in diesen Momenten anscheinend nicht gedacht, so oft bekommt man schicke Einladungen nun schließlich auch nicht. Und da es elegante und schöne Anziehsachen meistens so an sich haben, ziemlich teuer zu sein, habe ich mich immer gegen das Kaufen entschieden.

Mein neuer Cordblazer jedenfalls ist alltagstauglich. Kombiniert mit Jeans und einem T-Shirt oder einem Pullover sieht er lässig und trotzdem damenhaft aus, aber zu dem Rock und mit hohen Schuhen kann er eben auch ziemlich schick wirken. Cordblazer hängen gerade in fast jedem Klamottengeschäft, sie sind anscheinend der große Moderenner des kommenden Herbstes. Auch Röcke und Hosen aus dem Rippenstoff stapeln sich in den Regalen. Bei Männern sind Sakkos aus Cord ja schon seit ein paar Jahren im Trend. Das männliche Publikum in Prenzlauer-Berg-Cafés trägt sie gern zu groß und über Kapuzenpullovern, dazu dann Jeans oder weite Stoffhosen.

Die neuen Modelle für Frauen dagegen sind ziemlich eng und auf Taille geschnitten, dadurch sehen sie feminin aus. Es gibt sie in verschiedenen Cordarten, von breit bis zum ganz feinen Babycord. Ältere Leute nennen es Cord oft Manchester. Früher hieß der Stoff so, weil er im 19. Jahrhundert während der industriellen Revolution in der englischen Stadt erfunden wurde. Die Österreicher sagen Schürlsamt dazu, das klingt so sanft und weich, wie Cord sich auch anfühlen sollte.

Der Stoff ist außerdem ungemein praktisch . Wenn man mal kleckert, zieht die Flüssigkeit nicht im selben Moment ein und wird sofort zu einem fiesen Fleck, sondern sie perlt erst einmal an der Oberfläche ab, so dass man schnell noch wischen und das Schlimmste verhindern kann.

Ich habe das selbst mit etwas Orangensaft an einer alten Cordjacke ausprobiert. Das Ergebnis war verblüffend: Selbst bei längerem Warten ist der Saft nicht eingezogen und ließ sich immer noch mit einem nassen Tuch entfernen, ohne dass Spuren zurückblieben. Gerade bei schickeren Einladungen kann diese Schmutzresistenz ein unschätzbarer Vorteil sein. Flecken ruinieren schließlich auch das eleganteste Outfit. Sie sind noch schlimmer als Sicherheitsnadeln. kami

Einen hübschen Cordblazer gibt’s in Berlin vielleicht nicht an jeder Straßenecke, aber doch in verdammt vielen Klamottenläden. Das Model auf unserem Bild trägt zum Beispiel einen braunen Cordblazer von Dolce & Gabbana.

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