Werbinich : DER LETZTE SCHREI

-

EIS AM STIEL

Wildwest im Osten

Neulich in Mitte, „Kalkscheune“, kurz nach Mitternacht. Zigarettennebel liegt über der Bühne, die Männer von „Boss Hoss“ (Foto: Promo) dreschen auf ihre Gitarren ein, einer spielt Mundharmonika. Sie tragen weiße Cowboyhüte und FeinrippUnterhemden. „Yeeee Haw!“, rufen die Fans und lassen die Hüften kreisen. Ein bisschen Wildwest im Osten.

Die Zeiten von Caps auf dem Kopf waren schön, aber so langsam reichts. Bunte Wollmützen tragen in diesen Tagen nur Surfer an der Nordsee oder Snowboarder, die sich angesichts der herbstlichen Hitze in der Stadt schon auf die winterlichen Berge freuen. Stadtmenschen aber (die höchste Erhebung Berlins kommt auf läppische 115 Meter, und somit taugen weder Teufelsberg noch die Müggelberge zum Skifahren) müssen nach hübschen Alternativen suchen.

So ein Cowboy-Hut macht sich überaus lässig in der U-Bahn, zumindest, so lange man ihn nicht zum Nadelstreifenanzug oder ausgeleierten T-Shirt trägt. Am besten streifen sich Jungs dazu ein western-mäßiges Feinripp-Unterhemd über, so eines wie von „Boss Hoss“, das scheint die Mädchen schwer zu beeindrucken (sie kreischten jedenfalls beim Konzert wie verrückt und wedelten dabei mit ihren Cowboy-Hüten). Mit „God loves cowboys!“ steht zudem ein bescheidener Spruch auf den Hemden der Jungs, die im übrigen mit ihrer Brustbehaarung anzugeben wissen und keine großen Bierbäuche haben. „Yeeee Haw!“, antworten die Jungs bei ihren Konzerten artig dem Publikum. Sogar Langnese interessiert sich für die Band: Die Eisfirma hat für einen Werbespot die Country-Version von „Like Ice in the Sunshine“ gekauft und damit Geschmack bewiesen.

Die Berliner, die in ihrer Vielzahl irgendwie an die Band Seeed erinnern, tragen nämlich nicht nur Feinripp-Unterhemden und Cowboy- Hüte, sie können auch noch hervorragend mit ihren Instrumenten umgehen. Das Ergebnis ist, sagen wir, gewöhnungsbedürftig: „Boss Hoss“ covern Songs – von den Beastie Boys, Outkast oder von Eminem und spielen diese im Country-Stil nach.

Angeblich war das alles nur eine Schnapsidee, und dennoch haben sie mit diesem Trash in den vergangenen Monaten eine beachtliche Fangemeinde aufgebaut. Sie müssen also nicht fürchten, bei ihrer Tour in leeren Hallen spielen zu müssen.

In einer Woche geht’s los mit der Tour, nach Berlin kommen die Cowboys am 3. Dezember: Das Abschlusskonzert findet in der Columbiahalle statt. Cowboystiefel, weißes Unterhemd und Sporen nicht vergessen. Pferde können in der Hasenheide angebunden werden. AG

Feinripp-Unterhemden gibt es in jedem gut sortierten Kaufhaus oder im „Trashvillestore“ auf der Internetseite www.thebosshoss.de.22 Euro kostet das Hemd, die Konzertkarten in Berlin rund 25 Euro. Schöne Cowboyhüte gibt’s notfalls im Kostümverleih, Schlaucheis ab 20 Cent wartet in der Tiefkühltruhe.

0 Kommentare

Neuester Kommentar