Werbinich : DER LETZTE SCHREI

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MÜNCHNER SPASSKAPELLE

So trashig, so schön laut –

Bolzplatz Heroes

Mein Kumpel tanzte wild unterm Regenschirm, die Bierdose hielt er dabei tapfer in der Hand. Vor uns standen drei Typen auf einem Planwagen, die mächtig auf ihre Gitarren eindroschen. „In all den wunderbaren Jahr’n!“, schrie der Sänger von den Sportfreunden Stiller und wir paar Jungs grölten laut mit. Schön war’s damals bei der „Fete de la Musique“, irgendwann in den Neunzigerjahren und irgendwo in der neuen Mitte Berlins, so trashig und so schön krachend.

Die Sportfreunde aus München haben in den vergangenen sechs, sieben Jahren ziemlich hart an ihrem Stil gearbeitet und klingen heute gar melodiös. Da war es glatt eine Überraschung, als deren Schlagzeuger Florian „Rakete“ Weber mitteilte, dass er jetzt eine neue Platte mit ein paar Freunden herausbringt. „Bolzplatz Heroes“ nennt sich die Combo, ihr erstes Album kommt heute in den Handel. Und wieder ist der Stil so wunderbar trashig, so laut und so krachend.

Bolzplatz Heroes sei ein Nebenprojekt, dem er jedoch „mit gleicher Leidenschaft und Inbrunst“ nachgehe wie bei den Sportfreunden Stiller, schreibt Florian in einer Mail nach Berlin. „Es ist eine komplett andere Arbeitsweise, eine andere Erwartungshaltung und durch die familiäre Besetzung eine überaus emotionale Angelegenheit“ – nach dem Prinzip: „Nichts muss, alles kann!“

Im Prinzip sind die Bolzplatz Heroes eine Art Spaßkapelle nach Feierabend , mit nur einem gewaltigen Unterschied: dass alle vier Jungs bereits in unterschiedlichen Bands spielen. Markus Schäfer, eigentlich Gitarrist in der Münchner Rockband „Cosmic Casino“ (übrigens auch empfehlenswert); daneben „Mäcki“, Martin Messerschmidt, der sonst Schlagzeuger bei „The Notwist“ ist. Der Vierte im Bunde der Bolzplatz Heroes ist Jörg Weber, „Produzent und Musikdozent“, wie Florian schreibt. Dieser Jörg ist sein Bruder (Und damit man auch ja nicht den Überblick verliert – auf dem Foto stehen von links nach rechts: Markus, Jörg, Florian und „Mäcki“).

Jedenfalls klingt diese Platte irgendwie nach alten Jugendclub-Zeiten in der „Weißen Rose“ in Schöneberg oder verschwitzten Abenden im „Trash“ in Kreuzberg. Mal überschlägt sich die Stimme von Florian – der nicht am Schlagzeug sitzt, sondern als Shouter agiert – , mal sind angenehm ruhige Gitarrenlieder zu hören. Ach, und im Gegensatz zu den Sportfreunden Stiller singen die Bolzplatz Heroes Englisch und nicht Deutsch.

Wären wir beim Bandnamen: Bolzplatz Heroes, das klingt nach staubigen Aschenplätzen in Bayern, nach Dribblings im Hinterhof, und so ist es auch gemeint. Florian ist Fan von 1860 München, einem Klub, „der keine Erfolgsfans haben kann, weil der TSV überhaupt keine Erfolge hat“. Seit 21 Jahren geht er zu seinem Verein, und er würde nach eigener Aussage „sogar das Spiel gegen BC Aresing“ spielen (wo auch immer die spielen mögen). Über Musiker sagt man ja, dass sie gute Lieder nur schreiben können, wenn es ihnen schlecht geht. Schauen wir mal auf die Tabelle: Florians Klub spielt seit eineinhalb Jahren in der Tristesse der Zweiten Liga. AG

Die neue Platte von Bolzplatz Heroes kommt heute in die Läden, aber Vorsicht: die Lieder gefallen erst nach mehrmaligem Konsum. Bis zum Konzert am 11. März im „Mudd Club“ bleibt also noch genug Gewöhnungszeit. Infos im Netz: www.bolzplatz-heroes.com

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