Werbinich : DER LETZTE SCHREI

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STILVOLL FRESSEN

Können Pommes Sünde sein?

Die beste Bude der Stadt

Eigentlich hat mein neuer Lieblingspommesladen nur ein Manko: Er heißt „Fettnapf“. Als ich neulich in der Rykestraße vorbeischaute, waren sie prompt da, die hässlichen Pommes-Assoziationen : Ich erinnerte mich an den kleinen Jungen im Freibad, vergangenen Sommer. Er stand am Kiosk vor meiner Schwester und mir in der Schlange. Entsetzt starrten wir auf die Pausbacken und riesigen Rettungsringe, die sich über seiner Badehose wölbten. „Eine doppelte Portion Pommes rot-weiß, bitte“, krähte er fröhlich. Wir hatten auch Fritten gewollt, begnügten uns an diesem Nachmittag aber doch lieber mit einem Käsebrötchen.

Dabei ist das Verlangen nach Lust auf Fett, Kalorien und so wenige Vitamine wie möglich gar nicht schlimm, man kann sich eh nicht wehren. Pommes: nur goldgelbe, frittierte Kartoffelstäbchen, in Mayo ertränkt, können mich in solchen Momenten glücklich machen. Fünf Minuten Genuss ohne Reue! (Dann fühle ich mich selbst wie eine fettige Fritte und schäme mich, aber nur ein bisschen.)

Aber seitdem ich meine neue Lieblingspommesbude entdeckt habe, ist alles anders. Ungesund und Fast Food sind die Pommes auch hier, aber wenigstens tarnen sie sich geschickt. Sie sehen schon mal gar nicht so aus wie die 08/15-Fritten vom Imbiss an der Ecke (und schon gar nicht wie die im Schwimmbad!): Schön braun gebacken sind sie, größer als normale Pommes, die Kanten auch mal schief und krumm. Das Beste: Jede Portion ist mit einem kleinen Zweig Petersilie garniert. Nicht, dass ich den mitessen würde – aber ein bisschen Grün fürs Auge erleichtert das Gewissen gleich ungemein.

Die werden frisch aus Kartoffeln geschnitten, deshalb auch die krummen Kanten. Und (das Allerwichtigste!) sie schmecken richtig lecker: ganz nah dran an der Kartoffel, außen leicht knusprig und innen wunderbar weich. Dazu kann man zwischen verschiedenen Soßen wählen, von süß-sauer bis scharf. Mein Favorit ist die Cocktailsauce , da muss ich mich nicht zwischen langweiligem Ketchup und fader Mayo entscheiden. Außer den Fritten gibt es auch leckere Fleischspieße. In einem Nebenraum ist außerdem ein kleines Restaurant untergebracht, in dem man richtig essen gehen kann.

Zu den grünen Pflanzen-Stielen gibt’s auch die richtige Verpackung für die perfekte Pommes-Präsentation: Die Fritten liegen nicht trübselig in einer Pappschale mit gewellten Ecken , die sofort an ketchuptriefende Currywurst denken lässt, sondern werden in einer hübschen, spitz zulaufenden Tüte aus Papier serviert. So sieht das Ganze eher nach Strandspaziergang in Holland und einer kleinen, wohl berechtigten Stärkung aus ,als nach nächtlicher Sünde am U-Bahn-Imbiss.kami

Wer eine Fritteuse hat, kauft sich einen Sack Kartoffeln und schnippelt. „Fettnapf“ jedenfalls befindet sich in der Rykestr. 48 in Prenzlauer Berg. Das Bild machte unser Fotograf Mike Wolff in der Mittagspause.

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