Werbinich : DER LETZTE SCHREI

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FANFREUNDSCHAFT 2006

Turnjackenfraktion aufgepasst!

Die besten WM-Shirts

kommen aus England

Was zur WM an T-Shirts auf den Markt kommt, ist größtenteils ein Fall für die Kleiderspende . Ich würde mich jedenfalls nicht mit Goleo-Motiv auf die Straße trauen. Und die blubbernden Smileys des WM-Logos taugen nicht einmal für härteste Trash- und „Ist ja schrill“-Fantasien. Die unzähligen Retro-Angebote dieser Tage – etwa das 1974-er WM-Hemd mit den treudeutschen Maskottchen Tip und Tap – kleiden auch eher die Prenzlauer Berger Turnjackenfraktion.

Wie so oft in Stilfragen kommt die Rettung aus England. Das Londoner Label Philosophy Football bringt seit Jahren T-Shirts für den ästhetisch empfindenden Fußballfan heraus: Vorn ein philosophischer Merkspruch, hinten der Namenszug des betreffenden Dichters, Denkers oder Dribblers samt Rückennummer. Die Nummer zehn zum Beispiel, das Trikot des Spielmachers, gebührt dem französischen Existenzialisten und werbinich- Seiten-Dachzeilen-Autor Jean-Paul Sartre sowie dessen einschlägiger Erkenntnis, dass beim Fußball alles verkompliziert wird durch die Anwesenheit des Gegners.

Zur WM nun trägt Philosophy-Football-Gründer Mark Perryman seine Botschaft nach Deutschland. Da passt es, dass er auch Cheforganisator des Fanprojekts der englischen Nationalelf ist und so im Prinzip eine ganze Armee einkleiden kann. Hoppla, habe ich wirklich „Armee“ geschrieben? Die Welt ist zu Gast bei Freunden, da sind militärische Metaphern unzulässig. Zwar stellen englische Medienschaffende die Deutschen gern mit Stahlhelmen und Schaftstiefeln dar. Und englische Fans erfreuen deutsche Gesprächspartner nach einigen Pints weiterhin mit Reminiszenzen an „Two world wars and one World Cup“ (zwei Weltkriege und eine Weltmeisterschaft, beide von England gegen Deutschland gewonnen). Doch Perryman will die WM für eine Charme- Offensive nutzen – zum Beispiel mit Sprüchen des deutschen Fußball-Philosophielehrers Sepp Herberger (runder Ball, 90-minütiges Spiel usw.) auf seinen Shirts. Eher alltagsphilosophisch kam ein Entwurf mit dem kategorischen Imperativ „Auf Wiedersehen“ daher. Informierte Kreise aus Deutschland rieten ab: Deutsche Fans könnten das als Häme verstehen. Jetzt steht schlicht „Fanfreundschaft 06“ auf der Rückseite des Shirts. „Freundschaft“? War da nicht was zu Zeiten der anderen deutschen Diktatur? Lassen wir das und freuen wir uns auf den 20. April. Da lädt das Goethe-Institut in London zu einer Goodwill-Veranstaltung für englische Fans. 20. April? Ogottogott: Führers Geburtstag. mah

Der Sommer wird britisch: Zur WM kommen 100 000 Engländer. Ein guter Anlass, sich das Shirt unter www.philosophyfootball.com (18 Euro) zu bestellen. Auf der Vorderseite des Shirts steht „Bis bald in Berlin“ (Denn am 9. Juli ist WM-Finale!)

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