Werbinich : DER LETZTE SCHREI

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REITUNTERRICHT

Das Glück der Erde

ist in der Herde

Oh, Pferde haben so ein weiches Nasenmaul, so große dunkle Augen, sie gucken so gütig, sie riechen so gut, sie sind so wild und doch so zahm, so schnell und doch so gemütlich. Und was sie sich alles beibringen lassen! Seitwärts laufen, zu mexikanischen Gitarrenklängen tanzen, über hohe Hürden hüpfen. In Aachen (da ist gerade Weltmeisterschaft) kann man es sehen und man könnte denken: Oh, wie schön wäre mein Leben doch, wenn ich nur auch reiten könnte!

Aber halt! Brrrr! Wieso wäre? Reiten kann man lernen. Und wenn man bereit ist, das nötige Geld rauszurücken, kann man schon bald neben einem Pferd stehen, das nach dem Sattelgurt schnappt, während der festgezogen wird, das sich als kitzelig erweist, weshalb es immer zur Seite springt, wenn man aufsteigen will und das, sobald es merkt, dass man keine Ahnung hat, in immer kleineren Kreisen durch die Reithalle joggt, wofür man von der jungen, aber strengen Reitlehrerin angeraunzt wird, die in der Ecke sitzt und ins Handy SMS tippt. Aber man sollte sich nicht über das Pferd ärgern, sondern sich darüber freuen, dass die einen überhaupt auf sich herumhopsen lassen.

Es ist eine uralte Beziehung zwischen Mensch und Pferd, die nicht mal dadurch spürbaren Schaden genommen hat, dass in Sachsen Pferde zu Gulasch verkocht werden. Es wurden meterweise Bücher über die Liebe zwischen den Arten geschrieben. Viele junge Mädchen, aber auch Erwachsene begeistern sich für das anmutige Fluchttier. Superstar Madonna ließ bei ihrem Konzert in Hannover die Bühne aufwerten durch zwei überdimensionierte, sich bäumende Pferde im Scherenschnitt. Womit die Tiere auf der In-Liste deutlich vor Chihuahuas (Tinkerbell von Paris Hilton, gähn) stehen.

Und für Pferde gibt es zudem viele Entwicklungsmöglichkeiten: Wer nicht im normalen Ledersattel sitzen will, wählt den Cowboysattel, der dem Reiter, sofern er sich nicht auf dem Weg von der Sattelkammer zum Pferd den Rücken bricht, einen kommoden Sitz mit Festhalteknauf bietet. Was sich à la Western so alles mit Pferden anstellen lässt, zeigen heute auch die Reiter in Aachen: beim „ Reining “. So heißt die Reitdisziplin in Westerndressur. Großes Plus ist hier: Die Reiter tragen Cowboyhüte . Und schreien, wenn’s losgehen soll: „Yeehaaw!“ Das sieht erstens deutlich besser aus als die schwarzen Samtkappen und klingt auch besser als: „Hü“. ari

Im Galopp zum Reiten? Unter www.reiten-in-berlin.de/schulen/index.php steht im Internet die nächst- gelegene Schule.

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