Werbinich : Der Schulfreund wartet im Netz

Seit kurzem gibt es Internetforen nur für Schüler – über 100 000 machen schon mit. Selbst Siebtklässler treffen sich lieber online als real

Carolin Jenkner

Steven stupst Lisa an. Per Mausklick. Lisa ist eine Freundin von ihm in der Online-Community schuelerprofile.de. Stupsen heißt hier so viel wie grüßen. Und es ist cool, gestupst zu werden. „Du bist 124-mal gestupst worden“, steht auf Stevens Profil. Der 15-Jährige sitzt am Familiencomputer in der Wohnung seiner Eltern in Marzahn und zeigt, wie ein Schülerforum funktioniert.

Im Dezember wurde das erste Internetforum speziell für Schüler gegründet. Jetzt gibt es schon ein halbes Dutzend Netzwerke speziell für diese Zielgruppe – so wie es etwa auch das Netzwerk „Xing“ für Freiberufler gibt, StudiVZ für Studenten. In den Schülerforen SchuelerVZ.de, schuelerprofile.de, mystubz.com, schuelerregister.de und ähnlichen Seiten tummeln sich mittlerweile mehrere 100 000 Nutzer. Die Zahlen steigen stetig. SchuelerVZ ist eine Ausgründung des Studentenforums StudiVZ, das zum Verlagshaus Holtzbrinck gehört. Schuelerprofile.de ist eine Internetseite der Unister GmbH, die ebenfalls eine Studentencommunity betreibt. Schueler.cc, schuelerregister.de und Mystubz.com wurden von Studenten gegründet.

Das Prinzip der Online-Schülertreffs ist einfach: Um mitmachen zu können, legen sich die Schüler ein Profil an. Name, Alter, Schule und Klasse muss man angeben, um dazuzugehören. Wer will, kann auch ein Foto auf seine Seite stellen. Dann kann losgestupst werden oder gegruschelt (SchuelerVZ) oder gestubbt (Mystubz). Dabei geht es weniger darum, Tipps für Hausaufgaben oder die nächste Mathearbeit auszutauschen, sondern einfach sich kennenzulernen.

Steven ist seit drei Monaten dabei. Bei schönem Wetter geht er lieber draußen Fußball spielen, aber einmal am Tag schaut er nach, wer ihn „angestupst“ hat.

Über eine Suchmaske gibt er den Namen seiner Schule ein: „Felix-Wankel-Oberschule“. Steven geht in die 7. Klasse. Vier seiner Klassenkameraden haben sich schon in der Online-Community angemeldet. Er zeigt, wie er andere Schüler aus seiner Stadt findet: ebenfalls ganz einfach über die Suchmaske. Nun könnte man die Klassenkameraden auch in der Stadt treffen. Aber Steven findet es einfacher, online zu kommunizieren. „Ich bin hier, um Freunde zu finden“, sagt er. 18 „Freunde“ hat er bei schuelerprofile.de, so steht es in seinem Profil. „Man weiß nie, ob es richtige Freundschaften sind“, sagt Steven. „Aber mit manchen habe ich mich schon sehr lange per Chat unterhalten. Wir haben die gleichen Interessen und verstehen uns gut.“

Ein paar Freundschaften hat Steven wieder gekündigt, indem er auf „ablehnen“ geklickt hat. „Ich war genervt von denen.“ Jetzt können sie ihm keine Nachrichten mehr schicken. So einfach wird man Freunde in der virtuellen Welt los.

In den Schülerforen diskutieren die Jugendlichen auch über „Taschengeld vom Staat“, „Liebe, Sex und Zärtlichkeiten“ und „Allgemeinen Tratsch“ und erzeugen eine Informationsflut, die für die Betreiber der Foren nicht einfach zu kontrollieren ist. Bei Schuelerprofile.de überprüfen drei Mitarbeiter den Chat in den Foren auf jugendgefährdenden Inhalt. Auch gibt es eine „Blacklist“ mit verbotenen Wörtern, nach denen der Chat automatisch untersucht wird. „Bei Schülern hat man eine viel größere Verantwortung als bei Studenten“, sagt Sprecherin Anja Kazda.

Manchmal muss ein Beitrag gelöscht werden. Allerdings regelt sich einiges auch von selbst. Die Schüler ermahnen sich oft gegenseitig: „Hey, so was schreibt man aber nicht.“ Und manchmal bekommen Anja Kazda und ihre Kollegen auch Anfragen, die mit dem Thema Internetsicherheit wenig zu tun haben. „Wir waren auch schon mal das Dr. Sommer-Team für die User. Das ist natürlich nicht unsere primäre Aufgabe, aber man kann solche Fragen nicht unbeantwortet lassen“, erzählt sie.

Schuelerprofile.de ist mit über 100 000 Nutzern eines der größten Portale. Die Zahl der Nutzer wächst täglich. Im Moment verdienen die Portale noch nichts an den Schülern. Aber der Kampf um das größte Portal, und damit auch um potenzielle Werbekunden, hat längst begonnen.

Bei Schuelerprofile.de kann man „Schulscout“ werden. Dann hat man die Aufgabe, die Internetseite in seiner Schule publik zu machen und Mitschüler dafür zu werben. Auch Steven ist „Schulscout“. Für 50 neue Nutzer bekommt er zehn Kinogutscheine, für 600 wird ihm der Führerschein bezahlt. Bisher hat Steven noch keinen geworben. „Die Prämien interessieren mich nicht“, sagt er. „Ich bin nur hier, um Freunde zu finden.“

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