Der Selbstversuch : Mein Martyrium ohne Facebook

Ich muss zugeben, ich bin ein bekennendes Mitglied der Facebook-Community. Chatten, Verabredungen mit Freunden, Austausch von News – all das läuft bei mir meistens über Facebook. Aber ich habe meine eigenen Regeln für die Nutzung.

Jannik Lage[14 Jahre]
Infografik: Tsp

Kurz mal reinschauen nach der Schule und dann noch mal, wenn die Hausaufgaben fertig sind, nach dem Sport, am Abend, wenn ich Freizeit habe und um mich für den nächsten Tag abzudaten.

Nun der Selbstversuch (erst habe ich gedacht, ich muss mir nur ausdenken, wie das wäre): Eine Woche ohne

Facebook. Schaffe ich das?

Hier mein Tagebuch …

1. Tag – Montag

Ich komme nach Hause, esse etwas, unterhalte mich eine Weile mit meiner Mutter. Danach schnappe ich mir mein eBook und lege mich in meinem Zimmer aufs Sofa. Mal schnell gucken, wer auf Facebook on ist. Erst beim Hochfahren fällt mir ein: Mist, kein Facebook! Mein Selbstversuch läuft ja. Kein Problem. Ich muss sowieso gleich zum Training.

2. Tag – Dienstag

Heute gab es in der Schule mal wieder nur ein Hauptthema: Wer mit wem – ihr wisst schon. Neuigkeiten aus der Beziehungsgerüchteküche. Da will man natürlich informiert sein. Ich mache meine Hausaufgaben und bin jetzt super gespannt auf meine Facebook-Pinnwand und die News. Doch da raunt mein Gewissen mir ins Ohr: „Du darfst nicht on gehen, du hast es versprochen.“ Schlecht gelaunt gebe ich mich meinem Gewissen geschlagen.

3. Tag – Mittwoch

Also, heute fällt es mir richtig schwer, nicht on zu gehen: Ich möchte mich mit Freunden treffen, aber natürlich haben wir letztes Mal vergessen auszumachen, wo und wann. Genaueres wollen wir über Facebook klären. Wie immer halt – aber ich darf ja nicht! Jetzt habe ich ein echtes Problem. Die Freunde hängen lassen oder on gehen? Ein schwerwiegender Konflikt bahnt sich an. Ich kaue nervös auf meiner Unterlippe. Denke kurz über den Abbruch des Selbstversuchs nach. Mein Blick fällt aufs Telefon. Naheliegende Lösung! Aber natürlich geht mal wieder keiner ran – sind wohl gerade alle auf Facebook on. Ich gehe erst mal zum Konfirmandenunterricht und versuche es später noch mal.

4. Tag – Donnerstag

Wie viele Tage hat eigentlich eine Woche? Sind es sieben Tage oder – vielleicht doch nur fünf? Also, in Schultagen gerechnet sind es für mich ganz eindeutig fünf!

Das würde bedeuten, dass am Freitagabend mein „No Facebook“-Martyrium zu Ende wäre. Das ist eine coole Aussicht – dann hätte ich wenigstens am Wochenende mal wieder normale Sozialkontakte. Gut gelaunt gehe ich zum Training.

5. Tag – Freitag

Heute habe ich nur bis halb zwei Uhr Schule. Ich renne nach Hause, um zu fragen, ob ich zum Schlittschuhlaufen gehen darf. Klar darf ich, es ist ja Wochenende. Ich hole meine Schlittschuhe, bin schon wieder unterwegs und treffe mich mit meinen Freunden an der Bushaltestelle. Im Eisstadion treffen wir noch ein paar Leute und verbringen einen gechillten Nachmittag. Facebook – was ist das?

6. Tag – Samstag

Heute würde ich gern mal schnell gucken, was so los ist auf Facebook – man kriegt ja gar nichts mehr mit. Okay, also telefoniere ich wieder rum, Mensch, ist das anstrengend. Doch eine Verabredung zum Kino kommt dabei raus. Gar nicht schlecht. Abends gehe ich noch mit meinen Eltern essen und beschließe: Meine Woche hat sieben Tage – den letzten schaffe ich auch noch!

7. Tag – Sonntag

Ich wache auf und zittere. Ist das der Facebook-Entzug? Bin ich ein Facebook-Junkie? Bin ich eines dieser hoffnungslosen IT-Kids, die ohne nicht mehr zurechtkommen?

Das Resümee meiner freiwilligen Facebook-Verzichtswoche: Nein, bin ich nicht. Es gehört dazu, on zu gehen, und es macht Spaß zu chatten. Ich lasse nur Leute in meinen Freundeskreis, die ich auch wirklich kenne, weil mir tausend Unbekannte nichts bringen. Dass ich über Facebook mit meinen Freunden im Ausland in Echtzeit chatten kann, finde ich auch super.

Ich mag den Austausch mit meinen Leuten über Facebook, aber ich brauche ihn nicht unbedingt. Meine sozialen Kontakte finden immer noch im normalen Leben und live statt. Warum ich heute früh gezittert habe? Ganz einfach: Ich habe mich erkältet. Und das schreibe ich morgen erst mal auf meine Facebook-Pinnwand, zusammen mit: „Hey Leute, ich bin wieder on!!!!“

Jannik Lage, 14 Jahre

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