Werbinich : Der Wahlkampf hilft den Schulen

Gerd Nowakowski

Da hat sich Schulsenator Klaus Böger mal gegen den Mann mit der Kasse, den Finanzsenator Thilo Sarrazin, durchsetzen können. Für die Schulen ist das eine gute Nachricht: Zum neuen Schuljahr darf der Bildungssenator jetzt insgesamt 600 Lehrer neu einstellen. Oft genug konnte sich der Schulsenator dagegen mit seinen Wünschen nicht durchsetzen; jetzt wird der Wahltermin im September geholfen haben. Lange hatte Sozialdemokrat Böger etwa zusätzliche Sozialarbeiter für Hauptschulen in Problemkiezen gefordert; es brauchte erst die bundesweite Aufregung um die Rütli-Schule, damit alle Hauptschulen früher, nämlich schon zum neuen Schuljahr Sozialarbeiter bekommen.

Berliner Lehrer klagen regelmäßig, dass die vom Senat beschlossenen Reformen nicht vollständig umgesetzt werden können, weil die dafür nötigen Lehrkräfte nicht zu Verfügung gestellt werden. Vor einem Jahr saßen etwa in den ersten Klassen deutlich mehr Kinder, weil der Einschulungstermin vorgezogen wurde. Eine nennenswerte Entlastung aber fehlte. Darunter litten Kinder und Lehrkräfte gleichermaßen. Im kommenden Schuljahr müssen die Grundschulen nun einen jahrgangsübergreifenden Unterricht für die Erstklässler einrichten. Finanzsenator Sarrazin verweist gerne darauf, dass Berlin im Vergleich mit anderen Bundesländern zu viele Lehrer beschäftige und fordert eine effektivere Schulorganisation. Den Schulen, die einen riesigen Förderbedarf bewältigen müssen, hilft das wenig. Sie fühlen sich allein gelassen mit den Problemen.

Die gute Nachricht hat für die Schulen eine Kehrseite. Für die Schulleiter stellt sich nun die Frage, ob sie nach der langen Rangelei der Senatoren die bewilligten Stellen auch rechtzeitig zum Start des Schuljahres besetzt bekommen. Denn viele junge Pädagogen werden sich inzwischen in anderen Bundesländern nach sicheren Stellen umgeschaut haben.

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