Werbinich : Die Bedenken sind geblieben

-

Wie religiös kann eine Schule sein, die keinen Religionsunterricht anbietet? Diese Frage stellen sich zurzeit etliche Eltern, die sich für das neue „Privatgymnasium Tüdesb“ in Spandau interessieren. Sie sind beeindruckt davon, wie viel Unterricht und Sprachförderung den Kindern dort geboten wird. Sie sind aber auch irritiert, weil der religiösweltanschauliche Hintergrund unklar ist.

Vergangene Woche hatten wir auf der Schulseite berichtet, dass der Träger der Schule, der Verein Tüdesb, offiziell zwar nichts mit dem Netzwerk des einflussreichen islamischen Predigers Fethullah Gülen zu tun haben will. Anderseits macht Vorstandsmitglied Soner Eroglu keinen Hehl daraus, dass er Gülen „liebt“ und seine Argumentation „sehr schön“ findet.

Liberale Muslime wollen die Schule deshalb noch eine Weile beobachten, bevor sie sich ein abschließendes Urteil erlauben. „Die weltlichen Ziele der Schule sind begrüßenswert und unterstützenswert“, sagt etwa der bündnisgrüne Bildungspolitiker Özcan Mutlu. Er fügt aber hinzu, dass „die ganze Institution inFrage zu stellen ist, wenn sich die Ideologie von Fethullah Gülen breit macht“.

Der Türkische Bund Berlin-Brandenburg hatte sich bereits im November, als die Schulgründung bekannt wurde, sehr zurückhaltend geäußert und auch Bedenken hinsichtlich eines möglichen Einflusses von Gülen angemeldet. „An diesen Bedenken hat sich nichts geändert“, sagte gestern Eren Ünsal, die Sprecherin des Türkischen Bundes. Sie rät interessierten Eltern, „sich sehr gut zu informieren“. Schließlich sei die Wahl der Schule etwas „Verantwortungsvolles“. sve

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben