Werbinich : Die Eltern legen los

Die Bezirke haben kein Geld – jetzt sanieren Väter und Mütter Schulen selbst

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Eineinhalb Jahre lang haben Mütter und Väter mit Behörden telefoniert, mit dem Denkmalamt, mit Handwerkern und Sponsoren gesprochen, Entwürfe eingereicht und Briefe geschrieben: Sie haben sich in den Kopf gesetzt, die Aula der ZinnowwaldGrundschule in Zehlendorf zu sanieren. Es regnete hinein, es bröckelte, die Böden waren löcherig, aber das Bezirksamt hatte kein Geld für die Renovierung. Vor einigen Wochen begannen die Handwerker mit der Arbeit.

Die Schule und ihre Aula wurden Ende der 20er Jahre gebaut und stehen unter Denkmalschutz. Im Krieg wurde die Aula als Lazarett genutzt, danach als Krankenhaus und auch mal als Kino. Vor 30 Jahren wurde sie zum letzten Mal saniert. 15000 Euro haben die Eltern von anderen Eltern, von Industriebetrieben und Parteien für die Renovierung bekommen, ein Musiker gab ein Benefizkonzert. Geld für Architekten brauchte man nicht: Ada Kny und Dagmar Wolff- Asche, zwei Mütter der Schule, sind Architektinnen. Sie haben die Arbeiten geplant, Langzeitarbeitslose des Projekts „Integration durch Arbeit“ führen sie durch. Im Mai wird 75-jähriges Bestehen gefeiert – in der strahlenden neuen Aula.

Wie viel Eltern erreichen können, wenn sie selbst zupacken, hat auch die Initiative „Tulpen für Tische“ gezeigt. Mit ihrem Benefizverkauf rund um den Valentinstag hat sie nicht nur Interesse für die maroden Schulen geweckt, sondern auch über 8000 Euro eingenommen. Demselben Zweck dient ein Jazzkonzert, das die Mitbegründerin der „Tulpen für Tische“, Astrid Lohss von der Rothenburg-Grundschule, am 30. April mit dem Botanischen Garten organisiert.

Wie groß der Bedarf ist, zeigte auch die Resonanz auf den Tagesspiegel-Aufruf, Beispiele für marode Schulen zu nennen: Leser berichten von der „abrissreifen“ Turnhalle der Schule im Blumenviertel in Prenzlauer Berg, von defekten WC-Abflüssen in der Lichterfelder Clemens-Brentano-Schule, von „schadstoffbelasteten“ Unterrichtsräumen.

Eine Mutter beschreibt schockiert den „dunkelgrauen Ölanstrich“, die von der Decke hängenden Farbschichten und das uralte Inventar im Weißenseer Bühring-Gymnasium. Jetzt habe aber die Sanierung begonnen. Dass sich im Bühring–Gymnasium seit Jahrzehnten nicht viel getan hat, bestätigt eine Leserin, die dort zur 40jährigen Abiturfeier nicht nur die „mit Rippen verkleideten Neonröhren“, sondern auch die alte Farbe aus ihrer Schulzeit wiedererkannte. clk/sve

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