Werbinich : Die Luft ist rein

Das Labyrinth-Kindermuseum geht in Schulen und lässt Kinder zum Thema „Rauchen“ forschen

Moritz Honert

„Von dem Geld, das man spart, wenn man ein Jahr nicht raucht, kann man sich schon einen Laptop kaufen“, referiert „Dr. Konstantin“ im Raum der 6. Klasse der Grundschule am Weißen See. Den Doktor hat sich der elfjährige Schüler natürlich ausgedacht. Doch der Fantasietitel unterstreicht seinen Forschereifer. Zusammen mit 17 Mitschülern nimmt „Dr. Konstantin“ teil an der Initiative „gesund groß werden“, die vom Labyrinth-Kindermuseum erdacht wurde und von Aktion Mensch mitfinanziert wird.

Seit April 2005 läuft das auf drei Jahre angelegte Modellprojekt, das Kinder zwischen zwei und zwölf Jahren aus Schulen, Kitas und einem Freizeitclub im Bezirk Pankow über Aspekte gesunden Lebens aufklären möchte. Dazu gibt es eine Fortbildung für die Lehrer und Erzieher. Die richtige Ernährung steht dabei genauso auf dem Lehrplan wie Bewegungsförderung, der Umgang mit Gefühlen, Lärmreduzierung oder Stressbewältigung. Heute geht es um die Förderung des Nichtrauchens.

„Wir möchten da ansetzen, wo man die Kinder noch erreicht“ sagt Katharina Kleinschmidt vom Labyrinth-Kindermuseum. „Beim Rauchen liegt die kritische Schwelle genau im Alter zwischen elf und zwölf Jahren. Da probieren die meisten Kinder zum ersten Mal Zigaretten.“ Das Projekt will jedoch keine Vorschriften machen. „Damit würden wir wahrscheinlich den gegenteiligen Effekt erzielen“, vermutet Kleinschmidt. Stattdessen sollen die Kinder informiert und zur Eigenverantwortung erzogen werden. In mehreren Arbeitsgruppen sitzen sie an Tischen, arbeiten mit Folien, recherchieren bereitgestellte Fakten oder führen kleine Experimente durch. Sie messen Lungenvolumen, untersuchen die Herkunft und Geschichte der Tabakpflanze, vergleichen verschiedene Tabaksorten und Fotos von Raucher- und Nichtraucherlungen.

„Wir haben zu jedem Themenbereich Projektkoffer mit Arbeitsaufgaben für drei unterschiedliche Altersgruppen zusammengestellt, die von Schulen und Einrichtungen auch unabhängig vom Projekt ausgeliehen werden können“, erklärt Carina vom Hagen, ebenfalls vom Labyrinth Kindermuseum. „Bei den ganz Kleinen legen wir beispielsweise den Schwerpunkt der Nichtraucher-Kurse auf frische Luft und Gestank. Mit den Größeren können wir schon konkret die Folgen und Gefahren des Rauchens diskutieren.“ So gucken einige Kinder ein wenig erschreckt, als auf dem an die Experimente anschließenden „Forscherkongress“ die Gruppen ihre Ergebnisse vorstellen: Dass jede Zigarette das Leben verkürzen kann, wussten die wenigsten. Auch die nicht die, die schon mal heimlich probiert haben. „Hat aber furchtbar geschmeckt“, grinst der zwölfjährige John. Auch der gleichaltrige Markus hat keine guten Erinnerungen an seinen ersten Versuch. „Ich glaube also nicht, dass ich mal Raucher werde“, sagt er mit Überzeugung. Klassenziel erreicht.

Mehr Informationen unter

www.labyrinth-kindermuseum.de

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