Werbinich : Die Müll-Experten sind in der Stadt

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Der Berliner ärgert sich ja gern über den Dreck auf seinen Straßen. Dönerreste garnieren Bürgersteige, zerfetzte Chipstüten landen zwischen Hundehaufen, und die Reste von den Grillpartys liegen fein säuberlich in den Parks verteilt. Den Ärger kann man verstehen. Doch dieser „öffentliche“ Müll ist nur die Spitze des Eisbergs. In den Hinterhöfen oder neben den Garagen ist sein wahres Ausmaß erst recht zu erahnen. Tonnenweise ruhen dort leere ZahnpastaTuben neben Windeln, Weinflaschen und alten Zeitungen. Man mag sich kaum vorstellen, wie viel Müll allein in Berlin täglich zusammenkommt: Es sind Berge aus Gelben Säcken, ganze Landschaften aus alten Kartons.

Doch der aufgeklärte Berliner des 21. Jahrhunderts weiß auch, dass es in Deutschland ein ausgetüfteltes System der Müllentsorgung und – viel wichtiger noch – der Wiederverwertung gibt. So werden aus alten Notizzetteln wieder frische Prospekte und aus leeren Joghurtbechern neue Plastiktüten. Seit 1991 steckt dahinter sogar System. Der so genannte Grüne Punkt wurde damals eingeführt und das Recycling dadurch sehr viel umfassender.

Heute und morgen ist es sogar Thema eines internationalen Expertentreffens. In Berlin findet der zweite Europäische Recycling-Kongress, der „Pro Europe Congress“, in der Humboldt-Universität in Mitte statt. 600 Fachleute aus 35 Ländern diskutieren dort die neuesten Entwicklungen rund ums Recycling. Mitglieder des Europäischen Jugendparlaments überreichen ein so genanntes Weißbuch mit ihren Empfehlungen für eine Umweltpolitik auf internationaler Bühne. Es wird Fachvorträge und zahlreiche Diskussionen geben.

Anlässlich dieses Kongresses erscheint heute diese Beilage des Tagesspiegels. Wir wollen damit das Thema Recycling aus den Fachkreisen herausholen und einem breiten Publikum zugänglich machen.

In der Beilage stellen wir deshalb viele Aspekte der Wiederverwertung von Müll vor. Wir besuchen eine Sortieranlage, um den praktischen Umgang mit den Resten der Wohlstandsgesellschaft zu zeigen. Wir stellen die Ergebnisse einer Allensbach-Umfrage vor, die untersuchte, wie es die Deutschen mit der Mülltrennung halten. Wir werfen einen Blick auf Zukunftstechnologien und auch jenseits unserer Grenzen.

Dieses und vieles mehr eröffnet mitunter neue Perspektiven auf das, was in den Tonnen in unseren Hinterhöfen und neben den Garagen landet. Und vielleicht ist es auch ein Anstoß dazu, die Chipstüten künftig nicht mehr achtlos auf die Straße zu werfen – schließlich sie sind ein kostbarer „Rohstoff“. rok

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