Die POETEN der Woche : Empörende Gedichte

Jelena Kovacevic (24)

Kunst, manchmal wiegt sie dich

sacht und sanft oder quietschfidel

in deinen liebsten Tagtraum;

zuweilen trägt sie Schwarz

in Wut-Trauer über die Lage,

spuckt tagsüber in Blumenkübel –

einfältig und einseitig oder böse?

Definitionen von Kunst

und Prinzipien unserer Gesellschafts-

ordnung. Gegen den Strich,

was nicht gesagt werden darf.

Sinnige Gesetze und Grundsätze,

unsinnige Empörung

und Verhöhnung.

Unterm Strich einige Schafe

in Wolfspelzen:

mancher Chauvinist, doch keiner,

mancher Rassist, doch keiner,

manch Gemeiner, doch keiner.

Etliche geläufige Verdikte,

rare, oh, unschuldige Differenzierung,

Meditation für das Denkorgan,

Mediation

für die Gesellschaftsparteien.

Publikum, manchmal küsst es

dir die Hand,

aus der es dir deine Kunst frisst;

zuweilen klopft es dir auf die Finger –

in furchtsamer Antizipation hast du

manchmal Albträume, dass man

deine Kunst noch ante mortem

missinterpretiert.

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