Werbinich : Die Schule könnte ein Ort der Schüler sein

Kira von Bernuth[18 Jahre]

In meiner Schule tropft es bei starkem Regen vom vierten Stock bis ins Erdgeschoss, im Winter sind es in manchen Klassenräumen 17 Grad. Manchmal ist auch ein ganzes Treppenhaus überflutet – doch das liegt nicht an der maroden Bausubstanz, sondern an den Schülern selbst: ein paar Rollen Klopapier in die Toilette und die Spülung festklemmen, nach ein paar Stunden läuft das Wasser die Treppen herunter.

Woher kommt diese Verantwortungslosigkeit der Schüler, das Bedürfnis, die Schule nur noch mehr zu zerstören? Der Bildungsforscher Wolfgang Edelstein sagt dazu: „Den Schülern fehlt ein Solidaritätsgefühl gegenüber der Schule. Gäbe es eine wirkliche Anerkennung der Schüler von Seiten der Schule, würden die Schüler Selbstbewusstsein und das Gefühl eigener Wirksamkeit entwickeln. Diese führen wiederum zu einer Stärkung des Verantwortungsbewusstseins.“ Der ganze Unterricht müsste sich also sich mehr auf die Schüler als Menschen konzentrieren. Das Prinzip der Schule, die Wissen gibt und als Gegenleistung Anpassung und Disziplin erwartet, „nimmt etwas, das wertvoller ist, als man denkt“, sagt Wolfgang Edelstein. Das Modell der Klassenräte könnte dieses Verhältnis ändern: „Einmal in der Woche setzt sich die ganze Klasse mit dem Klassenlehrer zusammen und es werden Probleme innerhalb der Klasse oder mit Lehrern angesprochen, die im Lauf der Woche auf einer Liste im Klassenraum notiert wurden.“ Und die Schüler können auch den Unterricht mitbestimmen:

Was wollen wir lernen?

Wie wollen wir es lernen?

Der Lehrer muss etwas von seiner Autorität abgeben und sich als gleichberechtigtes Mitglied sehen. So können Schüler Demokratie erfahren und für die Entscheidungen, die sie gemeinsam treffen, Verantwortung übernehmen. Dann wäre die Schule nicht nur ein Ort des Gehorchens, sondern der Selbstverwirklichung, ein Ort der Schüler. Kira von Bernuth, 18 Jahre

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