Werbinich : Die Seele der Schulen

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Es gibt Schulen, die eine Seele haben. Manchmal wird das der Öffentlichkeit erst dann bewusst, wenn die Gefahr der Schließung droht: Dann tun sich Eltern, Lehrer und Schüler zusammen und entfachen ein ganzes Feuerwerk von Protesten, weil sie sich ein Berlin ohne diesen ganz speziellen Ort nicht vorstellen wollen. Meist haben sie damit keinen Erfolg, weil die Bezirke sich herzlich wenig um das Innenleben von Schulen scheren: Sie rechnen nur zusammen, wie viele Schüler es gibt und schließen dann die Schulen, die den größten Investitionsbedarf haben oder die schlechtesten Verbindungen zu den gerade herrschenden Parteien.

So erging es auch dem Friedrichshainer Erich-Fried-Gymnasium: Trotz jahrelanger Gegenwehr hat schließlich der Bezirk gesiegt. Vergangene Woche wurde sie geräumt, das Mobilar in alle Winde verstreut. Vorher gab es noch tränenreiche Abschiedsfeste, aber auch glückliche Momente, weil alle wussten, dass sie eine gute Zeit am richtigen Ort gemeinsam verbracht hatten.

Das Friedrichshainer Gymnasium ist aber nur eine von zehn Schulen, die in diesem Sommer aufhören zu existieren. Nicht zu vergessen all die anderen, die wegen des Schülerrückgangs in den kommenden Jahren mit anderen Schulen fusionieren sollen. Auch hier fällt auf: In manchen Häusern regt sich niemand, in anderen tobt die Empörung – wie zum Beispiel im Karlshorster Coppi-Gymnasium. Hier haben die Eltern sogar ein Bürgerbegehren gestartet und mehr als die erforderlichen 10 000 Unterschriften gesammelt. Noch eine beseelte Schule. Vielleicht hilft es ja diesmal. sve

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