Werbinich : Dr. Motte?

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Dr. Motte ist sowas wie der Chef der Love Parade. Kein schlechter Job. Aber wie wird man Chef der Love Parade?

1989 war Techno in WestBerlin ein großes Thema…

Moment mal. Techno?!

Ja, aber das ist 15 Jahre her. Zwar gab es damals noch nicht so viele, die dazu getanzt haben. Aber die paar Leute konnten mit dem Tanzen nicht aufhören. Zu den Dauertänzern gehörte auch der Spandauer Matthias Roeingh. Er hatte die Idee, eine Demonstration auf dem Ku’damm zu veranstalten – das Motto war „Friede, Freude, Eierkuchen“.

Wie jetzt?

Weil man Partys nicht einfach so auf der Straße veranstalten kann, muss man sich vorher bei der Polizei anmelden. Und Demonstrationen werden eigentlich immer genehmigt, weil es bei uns so ein Grundrecht gibt. Bezahlen muss man dafür nichts. Dr. Motte und seine 150 Freunde haben sich wohl gedacht: Pff, Hauptsache umsonst Party. Dann haben sie einen Lastwagen gemietet, Boxen draufgestellt und ein paar Getränkekisten.

Was hat Dr. Motte denn davor gemacht?

Nichts besonderes. Anfang der 80er Jahre war er ein Punker und spielte bei den „Toten Piloten“ mit.

Und wie ging es weiter mit der Love Parade?

1997 kamen plötzlich eine Million Leute aus der ganzen Welt. Sie nannten sich Raver und verteilten sich im Tiergarten und rund um die Siegessäule. Dort trat Dr. Motte auf und sprach zu den Ravern eine Art Gebet. Dass sich alle lieb haben sollen und so. Manche fanden das peinlich, aber die meisten waren so auf E, dass sie nach Dr. Mottes Ansprache in Trillerpfeifen bliesen, trampelten und Sonnenblumen schwenkten.

Auf E?

Ecstasy-Tabletten haben die geschluckt – chemische Drogen, von denen man durstig und extrem aufgekratzt wird und das Gefühl bekommt, dass man nie wieder schlafen und dafür orangefarbene Bauarbeiterwesten anziehen muss.

Wie schrecklich. Fällt die Love Parade deswegen dieses Jahr aus?

Nein. 2001 hat der Berliner Senat nämlich kapiert, dass das gar keine Demonstration ist, was Dr. Motte da macht. Und dass der Senat ihm nicht seinen Müll wegräumen muss und die schwerhörigen Spatzen im Tiergarten mit Hörgeräten ausstatten. Seitdem zahlt Dr. Mottes Firma für den ganzen Spaß. Dieses Jahr fehlen ihm 500000 Euro. Dr. Motte dürfte deswegen ziemlich traurig sein.

Hat Dr. Motte denn nicht noch sein ganzes Leben vor sich? Er kann doch so viele Sachen machen. Vielleicht sollte er mal zur Berufsberatung gehen.

Aber Dr. Motte ist 44 Jahre alt. Da fängt man nichts Neues mehr an. oom

Nicht zu verwechseln mit Dr. Alban, Dr. Kleist, Dr. Wewetzer und Biene Maja

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