Werbinich : Ein anziehendes Experiment

Als der Tagesspiegel Schulkleidung testen ließ, zeigte das Wirkung. Noch heute schwärmen die Schüler davon

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Damals war es ein Versuch, den heute Schüler bundesweit in Schulbüchern nachlesen und durchnehmen: „Einkleiden für die Aktion Klassengefühl“ – so berichtete der Tagesspiegel am 22. Mai 2001 über seinen Modellversuch. Zur Pressekonferenz zum Start des ergebnisoffenen Experiments lud der damalige Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, auch Senator Klaus Böger kam. Die Sportarena von Galeria Kaufhof ermöglichte den Testlauf mit schicker, legerer Sportkleidung.

Ein Versuch unter verschärften Bedingungen – die beiden Klassen und ihre Lehrer waren schließlich Exoten an ihren Schulen. Um zu testen, was das Äußere im Inneren ändert, hatten wir extra heterogene Klassen aus den Bewerbern ausgewählt. „Ich träume heute von dem Verhältnis, das ich damals zu meinen Schüler hatte“, sagt Lehrer Erich Beyler von der Heinrich-Ferdinand-Eckert-Hauptschule in Friedrichshain – er machte mit seiner 10c mit.

Die Schüler waren erst stolz auch über das Medienecho aus aller Welt, bald war ihnen die Kluft aber zu warm und zu eintönig. Beyler befürwortet Schulkleidung noch heute, weil sie „kulturelle Unterschiede minimiert und Mittel der Integration sein kann“. Ex-Schüler wie Maria Neumann und Maik Gregor stimmen zu: „Es gab weniger Cliquenwirtschaft, die Klassengemeinschaft wurde besser“.

An der zweiten Testschule sind blaue Schulshirts noch heute zu sehen, „eine Schülerin trägt sie immer noch mit Stolz“, sagt Marianne Strohmeyer, Lehrerin im Willi-Graf-Gymnasium. Ihre Schüler kamen die ganzen zwei Testmonate über in Blau mit Logo, auch Stephan, der Punk, der aber auf das Vorhängeschloss um den Hals nicht verzichtete. Strohmeyer: „Es kam ein Prozess in Gang, der Einstellungen ändert.“ Seit gestern trägt die Klasse 8.3 der Gottlieb-Daimler- Hauptschule in Spandau eine Woche lang weißes T-Shirt und Jeans, auch das ist ein Versuch. kög

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