Werbinich : Erstklassig eingeschult

Ein wichtiger Tag und die Zeit danach: Wie Eltern ihre Kinder gut vorbereiten und was sie dabei unbedingt beachten sollten

Susanne Vieth-entus

In 27 400 Berliner Kinderzimmern geht es hoch her in diesen Tagen: Vor der Einschulungsfeier am Sonnabend wird noch letzte Hand angelegt. Da bekommen Bücher fettresistente Umschläge, Hefte eine akkurate Beschriftung, die Buntstifte eine hübsche Reihenfolge in der Federtasche. Und der funkelnagelneue Turnbeutel wird zum fünften Mal auf Vollständigkeit überprüft. Herrlich ist das: Alles auf Anfang!

Auch für die Eltern wird es dieses Jahr extrem spannend. Selbst wenn sie schon ältere Kinder in der Schule haben, wissen sie wegen des neuen Schulgesetzes nicht so genau, was auf sie zukommt. Sogar wer die Reformen einigermaßen zu kennen glaubt, ist verunsichert, weil nicht alles ab sofort in Kraft tritt, sondern erst ab nächstem Jahr. Dies gilt etwa für die vorgezogene Schulpflicht oder für die flexible Schuleingangsphase, die die ersten beiden Klassen umfasst und je nach Fähigkeiten der Kinder in ein bis drei Jahren durchlaufen werden kann.

Ansonsten aber werden die jetzigen Erstklässler von allem profitieren, was die Pisa-Studie in Gang gesetzt hat: mehr Transparenz durch Vergleichsarbeiten, mehr Ganztagsbetreuung, mehr Unterricht, mehr Naturwissenschaften, mehr Förderung und weniger Sitzenbleiben.

In einem Punkt sind sie auf jeden Fall die Ersten: Sie werden von Anfang an nach den neuen Lehrplänen unterrichtet, die Berlin mit Brandenburg, teilweise auch mit Bremen und Mecklenburg-Vorpommern, abgestimmt hat. Und das ist interessanter als es zunächst klingt. Denn auch die Eltern bekommen damit eine viel aktivere Rolle als bisher.

Das liegt daran, dass die Lernziele, die in den Lehrplänen benannt sind, näher am Alltag dran sind als bisher. Was das bedeutet, hat die Senatsverwaltung für Bildung, oder genauer: das Landesinstitut für Schule und Medien (Lisum) jetzt in einer Broschüre beschrieben. Beispielsweise heißt es da, dass Eltern ihr Kind dazu bewegen sollten, eigenhändig Informationen zu beschaffen. Wenn sie es etwa bitten, in der Zeitung den Wetterbericht für morgen „auszukundschaften“, die Bundesliga-Ergebnisse oder Sonderangebote zu finden, schaffen sie Leseanlässe und stärken die Selbstständigkeit ihres Kindes.

Auch mit diesem Ansatz zieht das Lisum direkte Schlussfolgerungen aus der Pisa-Studie, die gezeigt hatte, dass deutsche Schulkinder nicht nur zu wenig lesen, sondern auch schlecht mit praktischen Texten wie Gebrauchsanweisungen und Rezepten zurechtkommen.

Außerdem können die Eltern die Lehrer dabei unterstützen, dem Kind Lernstrategien beizubringen. Dazu kann man sein Kind fragen, was es tut, um sich bestimmte Dinge zu merken oder man kann mit ihm gemeinsam nach besseren Arbeitstechniken und Strategien suchen. Entscheidend dabei ist, dass das Kind selbst Interesse am Thema hat.

Das gilt auch fürs Lesenlernen. Wenn man dem Kind dabei helfen will, sollte man gemeinsam in der Buchhandlung oder Bücherei nach Lektüre suchen, die das Kind wirklich interessiert.

Manche Kinder finden es auch spannend, Hörkassetten selbst zu besprechen. Damit können sie dann ihrer Großmutter oder den auswärts wohnenden älteren Cousins vorführen, was sie alles schon lesen oder rechnen können. Dasselbe lässt sich natürlich auch mit einer CD machen. In beiden Fällen hat man eine gute Gelegenheit, die Kinder gleich noch in die technischen Finessen der benutzten Gerätschaften vom Aufnahmegerät bis hin zum CD-Brenner einzuweisen.

In den ersten Monaten oder länger sollten die Eltern aber unbedingt noch am abendlichen Vorlesen festhalten. Selbst wenn das Kind schon selbst etwas lesen kann, weiß es diese elterliche Zuwendung sehr zu schätzen, nicht zuletzt, weil diese Viertelstunde in vielen Familien die einzige besinnliche Phase am Tag ist.

Tipps für Eltern bietet der Arbeitskreis Neue Erziehung unter www.ane.de oder www.aktiv-fuerkinder.de. Die neuen Rahmenlehrpläne stehen unter www.lisum.de

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