Werbinich : Erweckung und Fortbildung

-

Allein schon der Briefkopf war ein Ereignis: HumboldtUniversität, Pharmakonzern Altana, Canisius-Kolleg und Senatsbildungsverwaltung luden gestern gemeinsam zu einem Empfang. Ungewöhnlich war aber nicht nur diese Viererkonstellation, sondern auch das Vorhaben, das da gefeiert wurde: Ab sofort kommen vier Dozenten der HU zwei Jahre lang für insgesamt 320 Stunden in das Canisius-Kolleg, um Berliner Lehrer in den Bereichen Wirtschaft, Recht, und Soziologie fortzubilden. Die Freie Universität ergänzt das Team durch einen Fachdidaktiker.

Rund 30 000 Euro steuert das Bildungsforum des Bad Homburger Pharma- und Chemiekonzerns Altana bei, um die Dozenten zu bezahlen. Der Bildungssenator stellt die Lehrer stundenweise vom Unterricht frei.

In Gang gekommen ist das Ganze nicht durch „die da oben“, sondern an der Basis: Die Lehrer, die die neuen Rahmenpläne für das Fach „Sozialwissenschaften“ erarbeiten sollten, merkten, dass ihre Kollegen gar nicht das notwendige Wissen mitbringen, um den Ansprüchen der gymnasialen Oberstufe in diesem Fach zu genügen. Sie gingen auf die Suche nach einem Ausweg – allen voran Canisius-Lehrer Felix Hartmann, der die Rahmenplan-Kommission geleitet hatte.

Ein „Erweckungserlebnis“ sei das gewesen, erzählte Hartmann gestern anlässlich des Empfangs im schönen Jesuiten-Gebäude. HU-Vizepräsident Heinz Tenorth war denn auch voll des Lobes über so viel Eigeninitiative und kündigte an, dass sich seine Universität künftig verstärkt in der berufsbezogenen wissenschaftlichen Fortbildung betätigen will.

Noch sind es nicht viele Schulen, die das Fach „Sozialwissenschaften“ anbieten. Wenn die Fortbildung aber greift und die Lehrer in ihren Schulen gehörig werben, gibt es gute Aussichten, dass diese Mischung aus Wirtschaftsthemen, Jura und Soziologie in den Schulen einen festeren Platz erhält. sve

0 Kommentare

Neuester Kommentar