Werbinich : „Es gibt keine schwarzen Listen“ Highschool-Jahr: Was man beachten sollte

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Wie können Eltern verhindern, dass ihre Kinder in einer ungeeigneten Familie landen?

Um das Risiko gering zu halten, muss man die Austauschorganisation sorgfältig auswählen. Kommerzielle Organisationen stehen natürlich mehr unter Druck, Familien zu finden, und können dann nicht so wählerisch sein.

Sollte man generell gemeinnützige Veranstalter nehmen?

Auch dann ist man nicht ganz sicher. Zumal viele kommerzielle Anbieter gemeinnützige Ableger gründen, um Vertrauen zu wecken. Noch wichtiger als die Gemeinnützigkeit ist das Selbstverständnis der Organisationen: Ein Austausch ist eine Bildungschance und keine Reise.

Wie kann man sich denn absichern? Gibt es so etwas wie „schwarze Listen“ von Firmen, die häufig negativ auffallen?

Schwarze Listen gibt es nicht. In Einzelfällen spricht die Stuttgarter „Aktion Bildungsinformation“ Warnungen aus. Generell sollte man sich darüber im Klaren sein, dass es insbesondere in den USA weniger Gastfamilien gibt, als nachgefragt werden. In anderen Ländern gibt es eine größere Auswahl an Familien und dadurch auch weniger Pleiten.

Aber die meisten Schüler wollen nun einmal in die USA.

Ja, aber man sollte sie dahingehend beraten, dass es auch andere interessante Möglichkeiten gibt. Am stärksten begeistert kommen unsere Schüler aus Polen wieder. Wir haben auch Schüler in der Mongolei, China, Thailand und Indien. Englisch können doch sowieso alle: Im Berufsleben später ist es doch viel wichtiger, eine zusätzliche, eher ausgefallene Sprache zu können.

Es kommt vor, dass Schüler, die sich über ihre US-Gastfamilien beschweren, einfach zurückgeschickt werden, ohne dass die Kosten für die Vermittlung erstattet werden.

Um das zu verhindern, muss man darauf achten, wie die Verträge zwischen den deutschen Veranstaltern und ihren US-Partnerorganisationen aussehen: Wichtig ist, dass der US-Partner die Schüler nicht ohne Einwilligung des deutschen Partners zurückschicken darf. Im Übrigen sollte man sich natürlich vor dem Austauschjahr darüber klar werden, dass man sich in ein anderes kulturelles Umfeld begibt. Man muss bereit sein, Unterschiede zu akzeptieren, denn wegen der Unterschiede möchte ich da ja hin.

Muss man akzeptieren, dass die Gasteltern das Handy konfiszieren? Muss man aushalten, dass die Kinder der Gasteltern verprügelt werden, wie es in unserer Geschichte geschildert wird?

Für beides gilt: Nein. Aber in der Regel sind die Fälle nicht so eindeutig. Oft lässt sich darüber streiten, wer Recht hat. Mitunter geben Gastschüler zu schnell auf.

Die Fragen stellte Susanne Vieth-Entus.

Heribert von Reiche hat vor genau 30 Jahren sein Highschool-Jahr in den USA angetreten. Er hält noch immer Kontakt zu seiner Highschool in der Nähe von Los Angeles und zu seiner Gastfamilie.

Heribert von Reiche engagiert sich seit 30 Jahren für den Verein Berliner Austauschschüler, dessen Vorsitzender er von 1980 bis 1987 war. Bis heute ist er im Vorstand aktiv.

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