Ferienjobs : Als Johannes mit den giftigen Fischen tanzte

Fünf Tage, fünf Arbeitsplätze: Unser Autor hat mal geguckt, wie viel Geld er in einer Woche verdienen kann. Am Ende hatte er Sonnebrand, Schnittwunden am Finger - aber immerhin den irren Job im Aquarium überlebt. Gott sei Dank!

Johannes Nichelmann
Aquarium
Hai? Wisch! Johannes schrubbte den Dreck der Fische weg. "Es stank erbärmlich", sagt er.Foto: David Heerde

Ich habe Sommerferien und suche einen Job. Kurz in die Zeitung geguckt, da steht: „Du bist Schüler? Dann bewirb Dich für einen Ferienjob in unserer Firma! Zu Deinen Aufgaben zählt es, Kisten zu stapeln und Regale zu befüllen und“ – gähn. Langweilig! Ich habe fünf Tage Zeit. Mal sehen, was ich da verdienen kann. Und mal sehen, was ich so für tolle Jobs finde.

1. TAG: IM AQUARIUM

Ich bin heute Fensterputzer. Gut, das klingt nicht sehr spannend, ist aber total gefährlich. Im „Sealife Center“ soll ich die Wände der Goldbrassen und Makrelen von den Algen befreien. „Noch ist dabei niemand ertrunken“, sagt Martin, der Kurator des Aquariums. Es stinkt erbärmlich nach Fisch, ich ziehe mir einen Neoprenanzug an, der sich wie eine Haut an mich schmiegt. Hätte ich jetzt einen dicken Bauch, würde ich mich wahrscheinlich schämen. Mein Blick fällt auf das Wasser, in dem mehr als 600 Tiere schnell immer in eine Richtung schwimmen. In meinen Gedanken spüre ich, wie die an meinen Beinen entlangstreifen und mich anstoßen. Wie eklig! Dann schubst mich Martin hinein. Die Fische zucken, sind neugierig, kommen näher, vor dem Rochen mit den giftigen Stacheln habe ich Respekt. Ähm, und wo waren noch mal die gefährlichen Katzenhaie? Ach ja, im Nachbarbecken. In Ruhe kann ich mit meinem Lammfellwischer für bessere Sicht sorgen. Nach einer Stunde bin ich fertig – mein Job ist erledigt. Gefahrenzulage gab es nicht, dafür pro Stunde sieben Euro. Das ist ein Anfang. Und erfrischend war’s auch.

TAG 2: AM KARTOFFELSACK

Die Jobs habe ich mir nicht über Zeitungen gesucht, ich habe einfach nach einem Job gefragt – und die Augen aufgemacht. So bin ich in einem Restaurant am Schiffbauerdamm gelandet, wo das Schild „Suche Tellerwäscher“ hing. Ein kurzes Vorstellungsgespräch zwischen Küche und Theke und schon habe ich eine Schürze um. Sieben Euro die Stunde gibt’s, ich räume die Spülmaschine ein, fertig. Fertig? Von wegen! Das mit dem „Tellerwäscher“ war ein fieser Trick. Denn jetzt wirft mir der Koch einen großen Beutel XXL-Kartoffeln entgegen und ruft: „Zwei Eimer geschälte Kartoffeln brauchen wir bis morgen!“. Die Kartoffeln werden immer kleiner und kleiner und irgendwann greifen die Köche lieber selbst zum Messer und schicken mich an die Salatbar. Kopfsalat, Gurke, Möhre, Mais? Kenn’ ich nicht. Jedenfalls nicht aus meiner Wohnung. Ist aber gar nicht so schlimm, wirklich! Und stinkt vor allem nicht so wie im Aquarium.

3. TAG: AUF DEM BAU

Ein Freund vermittelt mich an einen Bauunternehmer. Der baut gerade in Hellersdorf einen ziemlich hübschen Park, dort solle ich mich melden. Zehn Euro die Stunde! Super, Rekord. Als ich dort ankomme, wird mir gleich der Spaten entgegengestreckt. Frischer Beton muss von A nach B transportiert werden. Das war aber nur der kleine Teil der Arbeit. Der Chef reicht mir Wackersteine – genauso müssen sie im Märchen „Der Wolf und die sieben Geißlein“ ausgesehen haben. Ich sterbe zwar nicht wie der Wolf, komme aber fortan mächtig ins Schwitzen. Der Boss reicht mir einen Hammer und sagt: „Einfach immer an der Schnur lang in den Beton einhauen.“ Ich gestalte also die Wegbegrenzung und dresche auf den Stein ein. Doch der versinkt nur langsam. Kling. Kling. Kling. Und noch mal: Kling. Kling. Kling. Mehrere Steine finden ihren Platz, das anfängliche „Kolleje, schneller!“ verstummt. Abends tun mir allerdings die Ohren weh. Kling. Kling. Kling.

4. TAG: AUF DER STRASSE

„Ich hab da in einem Monat schon so 500 Euro bekommen!“, erzählte mir ein Kumpel. Er meinte: Flyer-Verteilen. Viele aus der Oberstufe an meiner Schule stehen sich am Ku’damm die Schuhe platt, um die Freikarten von ganz edlen Clubs an den Gast zu bringen. Bis zu zwölf Euro winken in der Stunde, dazu noch 50 Cent pro Freikarte, die wieder zurückkommt. Ich verabrede mich mit Cem, er ist der „Chef“ der Promoleute. Er zeigt mir, wie das geht: „Hey, bleibt mal stehen. Ihr seid ja zwei hübsche Mädels! Kennt Ihr dieses Partylabel hier auf den Flyern?“ – „Mmh, ja.“ – „Dann will ich Euch einladen, ich schenk Euch diese Freikarten!“ Seine Vorgabe: Sprech’ nie hässliche Menschen an! Und nie welche ohne Markenklamotten! Ich texte also ein paar Mädels zu, dann kommt das Ordnungsamt, Aufregung – der Chef ruft: „Pack das Zeug weg!“ Ähm, ist der peinliche Job auch noch illegal?

5. TAG: AM PUTZEIMER

Ich soll eine WG putzen. Und um es kurz zu machen: Es macht ganz viel Spaß zu feiern, aber es macht ganz wenig Spaß, am Tag danach vollgekotzte Sangria-Eimer wegzuräumen und fettige Chipskrümel aus dem Raufaserteppich zu kratzen. Immerhin: Am Ende sind es 50 Euro.

DIE ABRECHNUNG

Ich habe fünf Tage hinter mir, Salzgeruch in der Nase (vom Aquarium), Schnittwunden am Finger (von den Kartoffeln) und einen Sonnenbrand (vom Steinekloppen). Aber ich will nicht jammern: In meinem Portemonnaie befinden sich 314 Euro. Das wird ein gutes Wochenende.

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