Für ALLE Felle : Für ALLE Felle

Sie verweigern den Gehorsam, machen, was sie wollen: unsere Haustiere. Was tun? Die Tiertherapeutin weiß es.

Protokoll: Susanne Leimstoll

DAS PROBLEM

Bis neulich war Django einfach der neue Wilde in Stephan L.’s Leben, sein treuer Beschützer. Mit vier Jahren im besten Alter, ein mutiger Dobermann-Mischling. Neuerdings ist Django eine Memme. Seit zwei Monaten macht er Terz, sobald sein Besitzer, 29, Elektromaschinenbauer in Hellersdorf, mal ohne ihn aus dem Haus will. Wenn Stephan die Jacke anzieht, beginnt der Hund zu winseln. Schnappt sich Stephan noch Handy und Hausschlüssel, zittert sein tierischer Kumpel. Kaum ist der Zweibeiner draußen, randaliert der Vierbeiner: zerbeißt das Sofa, zerreißt Vorhänge, zerkratzt Fenster- und Türrahmen, bis die Pfoten bluten. Die Nachbarn haben sich schon über das Gejaule beschwert.

DIE ANALYSE

„Klar ist der Hund viel allein“, sagt Stephan L. Deshalb hat er sich kürzlich im Urlaub – vier Wochen Dänemark mit dem Wohnmobil, echt klasse – auch sehr um seinen Süßen gekümmert. Keinen Moment musste der alleine sein, alles haben sie zu zweit gemacht. So was prägt – und seither schläft Django zu Hause in Stephans Bett.

DIE DIAGNOSE

Separationsphobie (Trennungsangst). Typ: Zerstören und Vokalisieren

DIE THERAPIE

Django hat eine Angsterkrankung, die unbedingt behandelt werden muss: Er leidet Höllenqualen, wenn sein Besitzer ihn alleinlässt, empfindet in solchen Momenten tatsächlich Todesangst. Das Verhalten zeugt von einer übermäßig starken Bindung zum Menschen, es lässt sich aber meist mit Übungen und Beharrlichkeit abtrainieren. Manche Tiere benötigen zusätzlich Medikamente.

Stephan begann, sich für kurze Momente innerhalb der Wohnung von Django zu trennen, kommentarlos den Raum zu verlassen, Tür zu, zurückzukehren. Oder: Er tat einfach so, als wolle er gleich gehen, packte das Handy ein, bereitete die Arbeitstasche vor, schnappte sich den Schlüsselbund. So lernte Django, Angstauslöser abzubauen. Der Hund wurde in ganz kleinen Schritten ans Alleinsein gewöhnt.

Nachts lässt Stephan Django nicht mehr zu sich ins Bett. Und künftig läuft alles auch im Urlaub ganz anders als zuvor. Protokoll: Susanne Leimstoll

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