Für ALLE Felle : Für ALLE Felle

Sie verweigern den Gehorsam, machen, was sie wollen: unsere Haustiere Was tun? Die Tiertherapeutin weiß es.

Protokoll: Susanne Leimstoll

DAS PROBLEM

Hygiene ist prima, aber was Micky Maus, die sechs Jahre alte Hauskatze von Katharina S. aus Wilmersdorf seit etwa einem Jahr abzieht, ist zu viel des Guten. Micky putzt sich derart häufig, dass nicht mal ihr Fell widerstehen kann. Der Bauch ist schon kahl, mittlerweile auch die Innenseiten der Oberschenkel. Iih, sagt Katharina, und, also bitte, normal ist das ja auch nicht. „Micky hört einfach nicht mehr mit der ekligen Rumleckerei auf!“

DIE ANALYSE

Micky Maus ist nicht gerade eine Power(katzen)frau; ängstlich war sie immer. Katharina holte das mutterlose Tier im Alter von sechs Wochen vom Bauernhof. Fünf Jahre war alles bestens zwischen Micky und Kathi. Vor einem Jahr wechselte die 48-jährige Bankangestellte in eine andere Abteilung mit neuen Arbeitszeiten. Auch privat änderte sich was: neuer Freund, neues Glück. Der Typ blieb ständig über Nacht, am Wochenende blieb sie bei ihm. Wohnungskatze Micky war also noch mehr allein. Außerdem machte Frauchen auch in der Wohnung Tabula rasa: große Renovierung, andere Ordnung, neue Möbel, andere Wandfarbe, schicke Einbauküche. Da soll sich einer noch zurechtfinden. Micky jedenfalls nicht; sie bekam ’nen Knall.

DIE DIAGNOSE

Psychogene Alopezie und Angststörung, ausgelöst durch Veränderungen im ökosozialen System: räumliche Struktur (Renovierung), zeitliche Struktur (neue Arbeitszeiten), soziale Struktur (neuer Partner). Psychogene Alopezie ist eine Verhaltensstörung, die sich – besonders bei ängstlichen – Katzen unter Stress entwickelt.

DIE THERAPIE

Micky bekam Psychopharmaka verschrieben – und Katharina neue Pflichten. Sie schaffte im neuen Heim Versteck- und Spielmöglichkeiten für ihre Katze – mit Kletter- und Kratzbäumen. Zum Essenjagen gibt’s jetzt Behältnisse mit Trockenfutterspender. Abends plant Katharina Spielzeit fürs Kätzchen ein, an den Wochenenden übernimmt das eine Freundin, die zweimal pro Tag für ein bis zwei Stunden Cat-Sitter spielt. Katharinas Freund arbeitet an seiner positiven Einstellung zu Katzen und nähert sich Micky öfter in freundlicher Absicht. Das wird richtig sinnvoll, wenn er von Katharinas neuestem Plan hört: Sie will sich eine Zweitkatze als Spielkumpel für Micky zulegen. Protokoll: Susanne Leimstoll

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