Werbinich : „Geht raus, fragt Menschen aus“ Stefanie Ehnes weiß, wie Schüler Reporter werden

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Ihre Neuntklässler haben sich als Reporter betätigt, die Mitarbeiter der Schulmensa interviewt und Rezensionen über ihre Lieblingsbücher verfasst. Sollen aus Ihren Schülern Journalisten werden?

Wenn einige Spaß daran hätten, warum nicht? Aber in erster Linie erweitert der Umgang mit Zeitungen enorm den Horizont. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Schüler von zu Hause vor allem Boulevardblätter kennen. Ich wollte ihnen zeigen, dass es auch andere Zeitungen gibt. Und mir war wichtig, die Schüler zum selbstständigen Lernen zu motivieren und sie zu ermuntern: Geht raus aus dem Klassenzimmer, fangt Eindrücke ein, fragt Menschen aus! Das ist eine gute Chance, Lebens und Arbeitsbereiche außerhalb der Schule kennen zu lernen.

Was hat Ihren Schülern besonders viel Spaß gemacht?

Begeistert waren viele vom Thema Reportage und dem damit verbundenen Wahrnehmungstraining. Sie sollten sich zum Beispiel mit Stift und Zettel in die Raucherecke stellen – die es damals noch gab – und sehen, hören, riechen, was um sie herum passiert. Dabei kamen wirklich schöne Texte heraus.

Warum haben Sie sich gerade im Fach Deutsch mit Zeitungen beschäftigt? Wäre das nicht eher etwas für den Politikunterricht?

Über Zeitungen kann in vielen Fächern diskutiert werden, im Deutschunterricht allerdings besonders gut. Die Schüler lernen, sich klar und zielorientiert auszudrücken. Und sie lernen, effektiv zu recherchieren und die Medien für ihre Zwecke zu nutzen. Nicht umsonst stehen die wichtigsten journalistischen Darstellungsformen sogar im Rahmenlehrplan für den Deutschunterricht der Sekundarstufe I.

Wie begeistert man 13-, 14-Jährige für seriöse Tageszeitungen?

Man muss sie selbst Texte schreiben lassen. Gerade bei älteren Schülern ist das sehr wichtig, dass sie sich nicht nur mit den Texten anderer beschäftigen, sondern selbst zu Reportern werden. Sonst kann es leicht passieren, dass ganze Klassensätze ungelesen in den Müll wandern, weil die Schüler sich überfordert und „zugeballert“ fühlen.

Sie sind nicht nur Pädagogin, sondern auch Journalistin. Muss man derartige Vorkenntnisse besitzen, um mit Schülern zum Thema Zeitung arbeiten zu können?

Nein. Jeder Pädagogikstudent mit dem Fach Deutsch lernt im Rahmen seines Studiums etwas über journalistische Darstellungsformen. Wer sich trotzdem nicht sicher fühlt, kann sich mit der Handreichung „Zeitung im Deutschunterricht“ fit machen, die das Berliner Landesinstitut für Schule und Medien herausgibt.

Das Gespräch führte Silke Zorn.

Die Broschüre „Zeitung im Deutschunterricht“ von Stefanie Ehnes kann man für drei Euro beim Berliner Landesinstitut für Schule und Medien bekommen. Telefon 9021-2800 oder www.lisum.de.

STEFANIE EHNES

ist Deutschlehrerin an der Bettina-von-Arnim- Oberschule und beim Berliner Landesinstitut für Schule und Medien (Lisum) in den Bereichen Deutsch und Medien tätig.

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