Werbinich : Gewaltig verändert

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Die Bilder sind von Schülern selbst gemacht, getuscht in bunten Farben oder mit gelben, blauen, roten Filzstiften ausgemalt. Sie hängen im ersten Stock, im Flur einer Grundschule in Wedding. Es sind viele Bilder, der Flur ist lang, aber die Botschaft, die sie haben, ist immer dieselbe. Sie lautet: Gewalt ist keine Lösung.

Auf dem einen Bild haut eine Figur eine andere. Das ist falsch und durchgestrichen wie bei Verkehrsschildern. Auf der zweiten Hälfte des Bildes reichen die Figuren sich die Hand. Ein anderes Bild ist eine Farbexplosion, die in Weiß das Wort „Respekt“ freilässt. Wieder ein anderes illustriert, dass man reden solle statt schlagen.

Diese Bilder hängen hier sicher nicht ohne Grund. Man sagt zwar, Prügeleien zwischen Schülern habe es früher auch gegeben. Aber wenn früher in Fluren Schülerbilder hingen, zeigten die „Unser schönstes Ferienerlebnis“. Heute gehören Tritte und Schläge in einem Ausmaß zum Schulalltag, dass sie nicht nur in den Klassen thematisiert werden müssen, die Ergebnisse der schulischen Auseinandersetzung werden auch ausgehängt. Als ständige Erinnerung. Vielleicht sollte man sich Grundschulflure öfter mal angucken. Die sind auch Seismographen für gesellschaftliche Zustände. ari

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