• Gleiche Prüfungen für alle In zwei Jahren gibt es das Zentralabitur. Nach den Ferien werden die ersten Schülerdarauf vorbereitet

Werbinich : Gleiche Prüfungen für alle In zwei Jahren gibt es das Zentralabitur. Nach den Ferien werden die ersten Schülerdarauf vorbereitet

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Das Zentralabitur naht: Der diesjährige AbiJahrgang war der vorletzte, der Aufgaben zu lösen hatte, die die Schulen selbst gestellt haben. Nach den Ferien werden die Zwölftklässler nach neuen Vorgaben unterrichtet, die auf die zentralen Prüfungen 2007 vorbereiten.

Der Einschnitt ist nicht zu unterschätzen: Bisher konnten alle Lehrer an den insgesamt 180 Gymnasien, Gesamt- und Berufsschulen ihre eigenen Abi-Prüfungen konzipieren. Sie waren lediglich gehalten, die Aufgaben vorher der Verwaltung einzureichen. Auf diese Weise sollte verhindert werden, dass das Anforderungsniveau zu stark von Schule zu Schule schwankte. Ansonsten konnten sie die Aufgaben im Rahmen des Lehrplans frei wählen. Mit dieser Vielfalt ist es nun bald vorbei: Künftig sollen „Entwicklerteams“ aus Lehrern und Fachleuten des Landesinstitus für Schule und Medien die Aufgaben gestalten.

Damit die Lehrer und Schüler nicht aus allen Wolken fallen, wenn sie am Prüfungstag die Aufgaben aus dem Umschlag ziehen, gibt die Bildungsverwaltung vorher bekannt, mit welchen Themenschwerpunkten zu rechnen ist. So heißt es für das Fach Deutsch, dass „Realismus und Sozialkritik bei Georg Büchner und Friedrich Hebbel“ auf dem Programm stehen werden. Außerdem gehört „Großstadtlyrik“ dazu sowie „epische Genres des subjektiven Schreibens“ wie zum Beispiel die Autobiografie bei Goethe und Max Frisch.

Vorerst gibt es die zentralen Aufgaben nur in Deutsch, Mathematik und in den Fremdsprachen. Langfristig werden aber noch mehr Fächer hinzukommen. Dazu liegen laut Bildungsverwaltung aber noch „keine konkreten Planungen“ vor.

Andere Länder sind weiter. Bayern und Baden-Württemberg haben seit Jahrzehnten zentrale Abiturprüfungen in allen Fächern, die neuen Länder bis auf Brandenburg haben nach der Wende die schon zu DDR-Zeiten üblichen zentralen Prüfungen einfach beibehalten. Brandenburg und Hamburg haben soeben das erste Zentralabitur in zehn Fächern geschrieben, die Auswertung steht aber noch aus. Hessen und Nordrhein-Westfalen liegen im Zeitplan wie Berlin, Schleswig-Holstein und Bremen sind die Schlusslichter dieser Entwicklung.

Die Lehrer sind sich in der Einschätzung des neuen Prüfungsverfahren nicht einig. Einerseits seien sie erleichtert, weil sie die Aufgaben nicht mehr selbst stellen müssten. Andererseits gebe es auch Verunsicherung, weil sie noch nicht genau wüssten, was auf sie zukommt, sagt Harald Mier vom Verband der Oberstudiendirektoren. Und natürlich sorgten sich auch einige, dass durch die zentralen Aufgaben klar wird, welche Schule schlechte Leistungen erbringt. „Unter Umständen ist das für manche Schule die Stunde der Wahrheit“, sagt Mier.

Bisher ist ein Vergleich zwischen den Abiturleistungen der Schulen nicht so leicht möglich. Der Berliner Landesschnitt liegt Jahr für Jahr bei 2,7. Traditionell liegen die Vorzeige-Gymnasien wie das Graue Kloster oder das Canisius-Kolleg wesentlich über diesem Schnitt, während sich die Schulen mit schwächerer Schülerklientel darunter bewegen, eher um die Durchschnittsnote 3,0 herum. Mehr Vergleich ist bisher nicht möglich. Die Bildungsverwaltung wollte auf Nachfrage nicht einmal sagen, welchen Schnitt alle Gesamtschulen im Vergleich zu allen Gymnasien erreichen.

Mit dieser Geheimniskrämerei dürfte es bald vorbei sein: Schließlich wird das Zentralabitur eingeführt, um die Leistungen der Schüler besser vergleichen zu können und um herauszufinden, welche Schulen ihre Anforderungen mehr als vertretbar nach unten korrigiert haben.

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