Werbinich : Grün, Gelb, Rot: Welche Farbe darf es sein?

„Bild dir deine eigene Meinung!“ Diesen Satz hört man immer, wenn es um Politik geht. Über das Desinteresse der Jugendlichen an Politik – also an dem, was ihnen ermöglicht, frei in einem demokratischen Staat zu leben – sind Erwachsene verwundert, wenn nicht sogar empört. Es wird erwartet, dass auch Minderjährige wissen, welche Partei sie wählen würden und warum. Natürlich sollten sie auch wissen, weshalb die restlichen Parteien nicht infrage kommen. Doch woher sollen wir dieses politische Wissen und die Überzeugung eigentlich nehmen?

In meiner Schule spielt Politik keine Rolle. Im Unterricht ist keine Zeit, um sich intensiv mit politisch aktuellen Themen auseinanderzusetzen, da fallen eher nebenbei Begriffe wie Finanzkrise oder Wahlkampf. Um sich mit dem, was man in gar nicht mehr so ferner Zukunft wählen kann, zu beschäftigen, bräuchte man ein eigenes Schulfach. Das Fach Politikwissenschaften, das es an anderen Berliner Schulen gibt, reicht meist gerade mal aus, um sich über unterschiedliche Staatsformen und deren Grundlagen klar zu werden.

Das meiste an Politik kriegt man zurzeit auf der Straße mit; an jedem Laternenpfahl hängen mindestens drei Wahlplakate mit vielversprechendem Text: Frauen nach oben. Arbeit soll sich lohnen. Bildung soll nichts kosten. Und was wähle ich nun? Grün, Gelb, Rot? Wahlplakate helfen nicht weiter, weil man genau weiß, dass das, was draufsteht, ein Bruchstück dessen ist, wofür die jeweilige Partei steht. Wenn man zu den klassischen Mitteln der Informationsbeschaffung greift – Zeitung, Fernsehen oder Internet –, stößt man auf ähnliches Probleme. In den Medien geht es viel um Politik, doch so richtig versteht man erst etwas, wenn man sich auskennt. Um sich seine politische Bildung aus der Zeitung zu holen, muss man regelmäßiger Leser sein und ein großes Grundwissen haben.

Damit wir Jugendlichen, wie zu Recht immer erwartet wird, uns alle eine eigene politische Meinung bilden können, brauchen wir Lehrer, Eltern und andere Menschen, die uns zum Fragen und Nachdenken anregen. Schließlich sind wir die Wähler von morgen!Kira von Bernuth, 16 Jahre

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