Werbinich : Gute Nacht

Josefine Wahle (18)

Diese Woche:

Leis’ öffnen sich die Gräber

Und alle Toten steigen,

Steigen aus Hades’ Reich herüber

Und tanzen einen Reigen.

* * *

Der bleiche Mond

Mit bangem Entsetzten

Muss einzig Zeuge sein

Am Himmelsrund.

* * *

Doch hüllet schon ein

In dunst’ge Fetzten

Die frechen Gerippe

Der Hölle Schwefeldunst.

Zur Qual woll’n sie werden

Den Sterblichen,

Dass die soll’n selber gleich umfall’n, wie tot.

* * *

Grauen wollen sie bringen,

Die Verwerflichen,

Denn vergessen zu sein,

Das wär eine Not!

Drum steigen sie nun immer bei Nacht

Aus ihren Särgen schon seit Jahren,

Um die alles Lebend’ge tötende Macht

Im Namen des Teufels zu bewahren.

Und im siegessichren Hohngelächter

Klappern die Zähne

Der grausamen Ächter,

Denn seh’n sie kein Menschlein mehr Weit und breit.

* * *

Kein Wunder!

Ein jeder schläft zu dieser Zeit!

Wohl zu viel Schwefel geatmet,

Ihr armen Skelette.

* * *

Doch wenn’s euch nun gut geht

Ich geh nun zu Bette!

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