HAUSFREUNDE : Könige mit Dauerwelle

KLEINE RUNDE.
KLEINE RUNDE.Foto: Georg Moritz

Karin Lettmair aus Friedrichshagen steht nur auf den Typ Rex. Fell wie eine ausgekämmte Dauerwelle, jedes harsche Haar in sich gedreht. Wenn man es leicht drückt, stellt es sich – plong – wieder auf. Am Menschen wäre es eine versaute Minipli, am Meerschweinchen ist es Haute Coiffure. Hobbyzüchterin Karin Lettmair nennt die Gattung Rex „die Rauhaardackel unter den Meerschwein-

chen“. 30 gelungene hat sie derzeit, ihre Favoriten wohnen in geräumigen Boxen im Vorflur, pfiffig in ein Ikea-Regal eingepasst. Es duftet prima nach Heu, wie immer bei Meerschweinchen. Das ist ein Vorteil: Im Gegensatz zu Kaninchen müffeln sie nicht. Es rascheln im Stroh: Loop, schwarz-weiß; Nutella, rauchgrau; Jeremias, creme; die dunkle Joyce, Emilio und Franca in Karamellfell, im Farbfach-

jargon „buff“ genannt. Rechts neben der Terrasse, im vanillegelb gestrichenen Holzhaus, stapeln sich noch acht Boxen à 2,30 Meter. Dort leben Abgabetiere und eine Meerschwein-Rentner-Gang. Jetzt, wo’s draußen warm ist, dürfen alle regelmäßig in die Sommerfrische, auf ein eingezäuntes Stück Wiese im Garten. Meerschweinchen sind übrigens nichts zum Knuddeln, sondern Fluchttiere. Streicheln lassen sie sich vielleicht mal am Kopf, wenn sie an die Stimme ihres Menschen gewöhnt sind. Die kleinen Moppel sind Karin Lettmairs Ruhepol. Stundenlang könnte sie stehen und ihnen zusehen. Wie sie sich am Öhrchen knabbern, die Äuglein lecken, kuscheln. Ihr fressen sie das Gurken-

stückchen aus der Hand, sie füttert sie mit Möhre, Apfel, Fenchel, Paprika. Das geht ins Geld: 160 Euro im Monat mit Streu. Sie wolle noch viel erreichen, sagt Lettmair und meint den großen Wurf: Damit der König der Rexe kommt, der Superbock, der bei der Schau einen EM-Titel holt. Und vielleicht wird auch ihre Züchtung nach bundesdeutschem Standard anerkannt: ein Traum in Creme mit roten Augen.    Susanne Leimstoll

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