HAUSPOST : Unter Druck

Antonio Segreto wollte Plakate gegen den ugandischen Rebellenführer Joseph Kony kleben, um auf dessen Gräueltaten aufmerksam zu machen. Ob's geklappt hat? Unsere Autorin hat ihn begleitet.

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Gute Sache. Bei Nacht, aber ohne Nebel, wurden die Plakate geklebt.
Gute Sache. Bei Nacht, aber ohne Nebel, wurden die Plakate geklebt.Foto: Antonio Segreto

Liebe Leserin, lieber Leser,

vor zwei Wochen haben wir euch auf „werbinich“ Antonio Segreto vorgestellt. Der 18-jährige Gymnasiast aus Berlin-Karlshorst hatte eine Facebook-Gruppe gegründet, um die Kampagne „Kony 2012“ zu unterstützen. Die Idee: mit Plakaten auf die Gräueltaten des ugandischen Rebellenführers und Massenmörders Joseph Kony aufmerksam machen, der mit internationalem Haftbefehl gesucht wird und sich im Busch versteckt.

Im Internet hatten Antonio knapp 200 Leute ihre Unterstützung zugesagt. Als es so weit war und sich die Gruppe an einem Aprilabend am Neptunbrunnen vor dem Roten Rathaus traf, waren es gerade mal 17. Antonio brachte 150 Plakate mit verschiedenen Motiven mit, für den Druck hatte er mehr als 70 Euro ausgegeben. Drei andere Jungs hatten selbst gesprühte Poster in leuchtendem Rot dabei, Lisa kam mit Aufklebern. Ihre Freunde wollten die Aktion trotz anfänglichem Enthusiasmus nicht unterstützen, also erschien sie mit Pierre, einem Franzosen, die beiden hatten sich über die Facebook-Gruppe kennengelernt. Als Teil einer bunt gemischten Truppe aus Schülern und Studenten – ein Mädchen hatte sogar die Mutter dabei – zogen sie vom Neptunbrunnen zum Alexanderplatz und von da aus in verschiedene Richtungen. Zwei Jungs fuhren mit einem Stapel Plakate nach Steglitz, und auch die anderen teilten sich in Zweiergruppen auf, nachdem sie Poster, Scheren und Klebeband gerecht verteilt hatten.

Das Ganze erinnerte nicht unbedingt an eine actionreiche Nacht-und-Nebel-Aktion wie im Film „Die Welle“. Dennoch zierten das Gesicht Joseph Konys und andere Motive bald Wände, Stromkästen, Laternenmasten und Bauzäune. Hin und wieder blieben Passanten stehen, beobachteten die Jugendlichen interessiert und stellten Fragen. Kurz darauf war die Aktion beendet.

Wenige Tage später ist von der ganzen Sache nicht mehr viel zu sehen. Die meisten Plakate wurden entfernt, nur die Sticker sieht man noch. Antonio zieht ein nüchternes Fazit: „Ich finde es richtig, dass wir die Aktion durchgezogen haben, auch wenn die Stadt nicht wie erhofft zutapeziert wurde.“ Wenn mehr Leute da gewesen wären, sagt er, wäre es bestimmt cooler geworden.

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