Werbinich : Heimisch werden in der Oberschule

Gerd Nowakowski

Plötzlich sind die Kleinen die Großen geworden, merken die Eltern. Seit einer Woche müssen sich die Fünft- und Siebtklässler an den Oberschulen an ein völlig neues Umfeld gewöhnen, müssen klarkommen mit einem neuen und häufig längeren Weg. In den Klassen, die oft viel voller sind als in der Grundschule, sind sie mit unbekannten Kindern konfrontiert. Neue Lehrer, neue Fächer, neue Sitznachbarn.

Das ist Stress. Gut, dass es in dieser Situation an vielen Schulen engagierte Pädagogen gibt, die jenseits aller Reformneuerungen auch an der Oberschule eines wissen: Je besser wir die Zehn- bis Zwölfjährigen begleiten bei den ersten Schritten in der neuen Schule, umso mehr Freude und Lerneifer werden die Kinder entwickeln. Da gibt es etwa bei den Fünftklässlern eines Tempelhofer Gymnasiums die ständige Unterrichtseinheit „Wir“ und zum Kennenlernen eine baldige Klassenfahrt. Oder an der Charlottenburger Wald-Oberschule wird „Lernen lernen“ zum einzigen Thema der ersten Woche gemacht, damit Kinder erfahren, wie sie am produktivsten Neues verarbeiten. Hinter all den mannigfaltigen Ideen, mit denen Lehrer die ersten Tage der Kinder in fremder Umgebung erleichtern, steckt viel zusätzliche und freiwillige Arbeit. Das wird selten gewürdigt. Nur die Kinder, die wissen, was sie davon haben.

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