• Hinein ins Schuljahr der Reformen! Große Vorhaben, aber nicht alle sind gut vorbereitet: Die wichtigsten Neuerungen auf einen Blick

Werbinich : Hinein ins Schuljahr der Reformen! Große Vorhaben, aber nicht alle sind gut vorbereitet: Die wichtigsten Neuerungen auf einen Blick

Susanne Vieth-Entus

Am Montag ist das schöne Leben vorbei: Für rund 350000 Schüler und 30500 Lehrer beginnt das neue Schuljahr. Es bringt einen großen Reformschub, der aus dem neuen Schulgesetz resultiert. Außerdem müssen die Schulen das vom Abgeordnetenhaus verlangte Rauchverbot umsetzen. Hier ein Überblick über die wichtigsten Veränderungen:

RAUCHVERBOT

Alle Schulen haben in den Ferien ein Rundschreiben des Bildungssenators bekommen. Demnach müssen sie „ab sofort“ allen Schülern und Lehrern das Rauchen auf dem Schulgelände untersagen. Dies heißt: Sowohl Raucherecken als auch Raucher-Lehrerzimmer müssen abgeschafft werden. Auch den Hausmeistern und Sekretärinnen soll das Rauchen verboten werden. Das regeln die Bezirke. Es wird aber Übergangsregelungen geben. Viele Schulen möchten Raucherzimmer für die ganz „Süchtigen“ beibehalten, damit sie nicht auf der Straße vor den Schülern an der Zigarette ziehen.

MEHR UNTERRICHT

Da man künftig schon nach zwölf Jahren Abitur machen soll, müssen die Unterrichtsstunden aus dem 13. Schuljahr auf die Klassen fünf bis zwölf verteilt werden. Dies bedeutet, dass jetzt zunächst die Fünftklässler drei Unterrichtsstunden mehr bekommen. Zum Teil fließen sie in das neue Fach „Naturwissenschaften“ ein.

NATURWISSENSCHAFTEN

Im Jahr 1992 wurde das Fach „Technik und Naturwissenschaft“ dem Sparzwang geopfert, jetzt kommt es als Fach „Naturwissenschaften“ wieder und wird mit Biologie verbunden. Es wird zunächst in den fünften Klassen und ab nächstem Schuljahr auch in den sechsten Klassen unterrichtet und zwar vierstündig. Die Lehrer müssen noch fortgebildet werden. Einige Schulen wissen nicht, wie sie die notwendigen neuen Geräte finanzieren sollen.

SPRACHKURSE

Da die Vorklassen ab 2005/06 entfallen, sollen Migrantenkinder ohne Deutschkenntnisse künftig zur Teilnahme an einem Sprachkurs verpflichtet werden, sofern sie keine Kita besuchen. Im November nehmen alle Kinder, bei denen man mit Sprachproblemen rechnet, an dem neuen Test „Deutsch plus“ teil. Im Februar beginnt der Kurs. Kritiker bemängeln, dass er nur aus zehn Wochenstunden besteht und damit kein Ersatz für die Vorklassen sei, die den ganzen Vormittag dauern.

MEHR MITSPRACHE

Eltern und Schüler bekommen jetzt mehr Einfluss. Über die Verteilung der Gelder zum Beispiel entscheiden künftig nicht mehr die Lehrer alleine, sondern die Schulkonferenz, in der Lehrer, Schüler und Eltern zu gleichen Teilen vertreten sind. Neu ist auch, dass eine schulfremde Person in die Schulkonferenz gewählt wird. Das kann ein Vertreter der Wirtschaft sein oder ein Künstler.

HOCHBEGABTENFÖRDERUNG

Zum neuen Hochbegabtenkonzept von Bildungssenator Klaus Böger (SPD) gehören nicht nur die Sommercamps auf der Insel Scharfenberg (siehe Seite 9), sondern auch Nachmittagskurse. Sie beginnen erst im September. Weitere Infos unter www.hochbegabte-nordberlin.de.

ZENTRALABITUR

Im Vorgriff auf das Zentralabitur, das ab 2007 kommt, werden die Profilkurse der jetzigen Elftklässler modifiziert: Sie müssen auf neue Aufgabenstellungen vorbereitet werden. Die entsprechenden Rahmenpläne liegen allerdings noch nicht vor, was die Oberstufenlehrer erheblich verunsichert und verärgert.

NEUE RAHMENPLÄNE

Besser geht es da den Grundschulen. Ihre neuen Rahmenpläne wurden ausführlich diskutiert und sind inzwischen beschlossen – zum Teil gemeinsam mit Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen. Die Pläne sind ergebnisorientierter als bisher, was den Unterricht insgesamt verändern wird, sieht Erhard Laube voraus, der Leiter der Schöneberger Spreewald-Grundschule.

MEHR PRAXISNÄHE

Die Hauptschulen bekommen Praxisklassen, um schulmüden Jugendlichen mehr Anreize zu geben und den Weg in die Ausbildung zu ebnen. Allerdings suchen viele Schulen noch verzweifelt nach Kooperationspartnern aus der Wirtschaft.

NEUE REFERENDARTERMINE

Die Referendare beginnen kommenden Montag mit der Ausbildung, erstmals also im August und nicht wie bisher im Mai oder November. Leider wissen viele Schulen noch nicht, welche Referendare mit welchen Fächern sie bekommen, sodass sie noch keine endgültigen Stundenpläne erstellen können.

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